Laurance rast mit mutiger attacke auf ritzel – seixas bleibt goldjunge

Axel Laurance schraubt sich in Basauri in die Pedale und jagt sich selbst in die Geschichtsbücher. 26 Kilometer vor dem Ziel löst der Franzose von Ineos Grenadiers das Kettenblatt, schlängelt sich zwischen den Fahrern der Spitzengruppe durch und reißt Igor Arrieta mit. Der Rest sieht Rücklichter. Im Steilsprint nach oben hat der 24-Jährige die Nase vorn – und die zweite Etappe im Baskenland nach 2024 sicher.

Ritzelgriff mitten im rennfluss

Was Eurosport als „gewagtes Manöver“ titelt, ist purer Selbstmordmut. Laurance greift bei Tempo 60 an die Ritzel, zieht von 11 auf 13, stemmt sich aus dem Sattel und spürt, wie Arrieta kurz aufbockt. Die beiden bauen 40 Sekunden auf, 50, eine Minute. Hinten rechnet jeder mit der Ruhe vor dem Sturm – doch der Sturm ist längst da. „Ich wusste, dass der finale Anstieg drei Minuten lang ist, und ich wusste, dass ich sie halten kann“, sagt Laurance, noch völlig schnaufend an seinem Rad. Die Uhr stoppt bei 3:46 Minuten Vorsprung. Die Favoriten schauen in sich hinein.

Red bull zündet keine zweite rakete

Red bull zündet keine zweite rakete

Florian Lipowitz und Primoz Roglic kommen zusammen, doch sie kommen zu spät. 1:04 Minuten später kreuzen sie den Bögen – mit Paul Seixas im Schlepptau, der Gelbe noch auf dem Rücken. Red Bull-Bora-hansgrohe hat die Jury informiert, dass man heute dienstags fährt: Lipowitz zieht, Roglic sitzt, Seixas profitiert. Die Logik: lieber das Kind beim Namen nennen und das Rennen in den Bergen entscheiden, als jetzt schon alles auf eine Karte zu setzen. Dabei vergessen sie, dass Seixas gestern im Nebel auf Aia solo fuhr und die Konkurrenz schon mental zerfetzt hat.

19 Jahre, keine nerven, kein erbarmen

19 Jahre, keine nerven, kein erbarmen

Paul Seixas trinkt Cola aus einer Dose mit seinem eigenen Gesicht drauf – Marketing-Büro des französischen Verbandes. Er schlürft, während seine Helfer die Räder waschen, als hätte er gerade ein Hallenturnier gewonnen, nicht die härteste Etappe des Frühjahrs. Die Zeitmessung liefert eine brutale Zahl: Seixas steht nach drei Tagen 2:12 Minuten vor Roglic, 2:34 vor Lipowitz. Kein Teenager hatte jemals so früh im Jahr solche Reserven. „Er fährt wie auf Schienen, und die Schienen führen nach Paris“, murmelt ein Mechaniker von Movistar, während er die Bremsbeläge prüft.

Was morgen bleibt

Was morgen bleibt

Die Basken sagen, dass der April windiger ist als der Dezember. Morgen geht’s auf die Arrate, 11,2 Kilometer mit durchschnittlich 9,3 %. Roglic will dort den Dampfhammer schwingen, Lipowitz hat nichts mehr zu verlieren, und Seixas muss nur folgen. Die Frage ist nicht, ob das Wunderkind bricht, sondern ob überhaupt jemand in der Lage ist, ihn zu erreichen. Denn wer 19 ist und schon jetzt mit 1,04 Minuten Puffer ins Gelbe fährt, der fürchtet sich nicht vor Steigungen – der fürchtet sich vor Langeweile. Und Langeweile kommt heute nicht ins Peloton.