Laura pirovano löst nach 29 top-ten-platzierungen endlich den bann
1:21,40 Minuten. Das reichte. Um endlich. Um endlich Laura Pirovano aufs oberste Podest zu katapultieren – nach 29 Mal Top Ten, zwei Kreuzbändern und keinem einzigen Podestplatz. In Val di Fassa riss sie sich die erste Weltcup-Sieg mit bloßen 29 Hundertsteln Vorsprung vor der Deutschen Emma Aicher. „Heute ist alles herrlich“, sagte sie, und klang dabei wie jemand, der gerade einen Berg von sich abwirft.
Ein cent, zwei kreuzbänder und ein traum
Sie hatte schon alles durch: Kreuzband- und Meniskusriss, Muskelbündelriss, die obligatorische Frage nach dem Warum. „Der Kopf ist fundamental“, sagt sie seit Jahren. Technik ohne Geist? „Bringt nichts.“ Also arbeitete sie sich zurück – Video für Video, Schwimmzug um Schwimmzug, weil Apnoe ihr neues Yoga wurde. Dazwischen: Meer, Staffelei, Klavier. „Es gibt nicht nur Schnee“, sagt sie und meint: Es gibt auch das Leben jenseits der Piste.
Die Zahnbürste stand am Tor von Cortina 2021 noch in der Halbzeit, als sie Zwölfte wurde. Die Olympiateilnahme in Peking war ein Nebenschauplatz. Doch das war gestern. Heute zählt der eine Cent, der sie von der ewigen Platzierten zur Siegerin machte. „Ich gewinne um einen Cent, und es tut mir leid für Emma – aber oft genug war ich die, die leer ausging.“

Warum es jetzt klappte, kann sie nicht erklären
Vielleicht lag es am Schnee, an der Startnummer, am neuen Ski. Vielleicht auch daran, dass sie endlich aufhörte, sich selbst hinterherzurennen. „Ich wusste, dass ich gut fahre“, sagt sie. Und das war’s. Kein großer Knall, nur ein leiser Klick. Die Angst, wieder nur Fünfte oder Achte zu werden, hatte sich in Luft aufgelöst. „Heute ist alles herrlich“ – das klingt wie ein Satz, den man sich auf die Skibrille kritzeln sollte.
Mit 27 Jahren ist sie keine Frühstarterin mehr, aber auch keine Spätentschlossene. Sie ist die, die geblieben ist, als andere den Hang runtergingen. Die, die nach dem zweiten Kreuzbandriss nicht aufhörte, das Meer zu suchen, um unten durchzuschwimmen. Die, die im Windsurf-Gurt das Gleichgewicht trainierte, weil es auf der Skipiste eben auch darum geht. Und die, die sich den Traum vom ruhigen Abschied ohne Rückblick bewahrt hat. Jetzt steht da ein Sieg. Ein Cent. Ein Name im Licht der Weltcup-Wertung. Der Rest ist Geschichte – und die fängt gerade erst an.
