Laura huber fuhr 44 rennen mit gebrochenem wadenbein – jetzt spricht das schweizer ski-talent

Laura Huber lachte, winkte, fuhr aufs Podium – und hatte dabei einen Wadenknochen in zwei Teilen. 44 Mal startete die Schweizerin in dieser Saison, zweimal landete sie im Europacup-TOP-20. Erst jetzt, nach einer Operation, weiß sie, warum die letzten Monate wie unter Betäubung liefen.

Der sturz, der alles löste

Februar 2024, ein Trainingslager vor den Toren von Sölden. Huber rutscht aus, knallt gegen die Netze. Diagnose: Schien- und Wadenbeinbruch. Die Ärzte schrauben das Schienbein, das Wadenbein heilt „konservativ“ – Spritzen, Tape, gutes Zureden. Was keiner ahnte: Der Bruch blieb, verwandelte sich in ein stilles Gift. „Ich spürte jeden Tag einen dumpfen Druck, aber ich dachte, das gehört dazu“, sagt sie im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt.

Also fuhr sie weiter. FIS-Cup in Zauchensee, Europacup in Thurn, Schweizer Meisterschaften in Crans-Montana. Zwischen den Läufen schluckte sie Schmerzmittel, nach den Läufen kühlte sie mit Schnee. Die Zeitmessung verriet kein Geheimnis: 14. Platz in der Abfahrt, neue Bestmarke. Das Mädchen aus Engelberg schien auf dem Sprung in den Weltcup – mit einem Bein, das im Röntgen wie ein Rissiges Fenster aussah.

Die nacht, in der das schneekugel-prinzip zerbrach

Die nacht, in der das schneekugel-prinzip zerbrach

Nationalmeisterschaften, Anfang April. Huber presst sich in die Startbox, atmet tief durch. Beim ersten Schwung brennt es plötzlich wie Feuer. „Ich habe geschrien, aber niemand hat es gehört – der Wind war lauter“, erinnert sie sich. Sie kämpft sich ins Ziel, fällt in die Arme des Servicemannes, fährt ins Krankenhaus. Dort das Urteil: Spiralefraktur, Bruchspalte breiter als ein Zehn-Rappen-Stück. Stahlplatte, sechs Schrauben, drei Monate Pause.

Die Bilder, die sie auf Instagram postet, sind roh. Narkosegesicht, aufgeklapptes Bein, blaue Flechen bis zum Knie. „Ich wollte keine Filter mehr“, sagt sie. „Sport ist nicht immer Sonne und Schnee.“ Die Reaktionen sprengen binnen Stunden alle Rekorde: 1,3 Millionen Aufrufe, 12.000 Kommentare, darunter eine von Mikaela Shiffrin: „Du bist der Wahnsinn – heal up, warrior.“

Was bleibt, ist eine frage der rechnung

Was bleibt, ist eine frage der rechnung

44 Rennen, 67 Trainingstage, 192 Stunden reine Abfahrtszeit – das alles mit einem Bruch, der laut Medizinern bei jeder zweiten Landung weiter zersplitterte. Huber lacht, als sie die Zahlen hört. „Vielleicht war ich zu stur. Aber vielleicht war ich auch einfach nur ich selbst.“ Ihr Coach Fabio Mäder schüttelt den Kopf: „Wir haben auf das Schienbein geschaut, nie auf die Wade. Das wird mir noch lange leuchten.“

Die Saison ist vorbei, der Stahl bleibt. In sechs Wochen darf sie wieder auf die Rolle, in vier Monaten auf Skistiefel testen. Der Weltcup-Auftakt in Sölden rückt in greifbare Nähe – diesmal mit einem Bein, das endlich heilen darf. Huber blickt aus dem Spitalfenster, auf die verschneiten Berge über Luzern. „Ich habe bewiesen, dass ich durchhalten kann. Jetzt will ich beweisen, dass ich auch loslassen kann.“ Sie grinst, und für einen Moment sieht man das Kind wieder, das mit sieben Jahren zum ersten Mal die Skipiste hinunterraste – auf zwei gesunden Beinen und mit keiner Angst im Nacken.