Lange testet wm-chemie ohne sabally: 'besserer kader = mehr ausfälle'

Olaf Lange wirft seine To-do-Liste auf den Tisch. Erste Zeile: „Teamgeist basteln, ohne Top-Star.“ Satou Sabally, WNBA-Leuchtturm und Kandidatin für All-Star-Teams, fehlt beim Qualifikations-Turnier in Villeurbanne – und der neue Bundestrainer zuckt nicht mit der Schulter. „Normal“, sagt er, „je stärker der Kader, desto öfter fehlen Spielerinnen.“ Ein Satz, der die Realität deutlicher formuliert als jede Pressekonferenz-Floskel.

Frankreich wird zum labor für berlin

Die Partien gegen Südkorea, die Philippinen, Frankreich, Kolumbien und Nigeria zählen offiziell nichts. Deutschland ist als Gastgeber der Heim-WM (4. bis 13. September) gesetzt. Trotzdem fliegen die zwölf Nominierten am 11. März nach Frankreich – mit einem einzigen Auftrag: sich gegenseitig kennenzulernen, bevor in Berlin die Kugeln brennen.

Lange, erst seit Januar im Amt, setzt auf „Intensität, Energie, Konstanz“. Drei Worte, die klingen, als hätte er sie auf eine Trainingswand gespachtelt. Dahinter steckt ein Kalkül: Jede Minute, die Sabally & Co. jetzt miteinander verbringen, spart später Einarbeitungszeit. „Ich will keine Ausreden, ich will Lösungen“, sagt er und verrät dabei mehr über seine Coaching-Philosophie als über Saballys Abwesenheit.

Warum sabally fehlt – schweigen als strategie

Warum sabally fehlt – schweigen als strategie

Den Grund für Saballys Ausfall nennt er nicht. Verletzung, Liga-Playoffs, persönliche Termine – alles möglich, nichts bestätigt. Stattdessen zitiert er seine WNBA-Vergangenheit: „Da gewöhnt man sich daran, dass Stars mal weg sind.“ Die Botschaft: Wer denkt, dass eine Einzelne den Unterschied macht, unterschätzt den Rest des Kaders.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ohne Sabally erzielte die DBB-Auswahl in der vergangenen Quali-Runde 82 Punkte im Schnitt, mit ihr 87. Fünf Punkte Differenz – nicht die Welt, aber in knappen Viertelfinals oft der Sprung aufs Treppchen. Lange scheint das egal zu sein. „Wir bauen ein System, nicht einen Ein-Mann-Showroom.“

Kampf um minuten statt kampf um tickets

Kampf um minuten statt kampf um tickets

Die Rotation wird offen sein. Lange deutet an, dass jede Spielerin mindestens zwei der fünf Partien von Anfang an bestreiten wird. Ein Experiment – und zugleich ein Selektionsprozess. Wer jetzt überzeugt, sichert sich Kredit für den WM-Kader. Wer zögert, fliegt später aus dem Berliner Aufgebot.

Die Gegner schlafen nicht. Frankreich bringt eine junge Garde mit WNBA-Erfahrung, Nigeria setzt auf Athletik, Kolumbien auf Tempo. „Das Turnier ist kein Freundschaftsspiel-Marathon“, warnt Lange. „Wir wollen gewinnen, aber wir wollen vor allem lernen, wie wir gewinnen.“

Am 17. März steht das letzte Gruppenspiel an. Dann wird Lange seine erste Bilanz ziehen: Hat die Chemie gestimmt? Haben sich Rollen verteilt? Und: Wer spielt sich neben Sabally in den Fokus, wenn die Stars zurückkommen? Die Antworten liefert nicht die Tabelle, sondern der Videobildschirm in der Berliner Zentrale. Dort schneidet man Szenen heraus, die später bei der WM den Unterschied ausmachen können.

Für Lange ist klar: „Wenn wir in September Silber holen, wird keiner mehr fragen, wer im März gefehlt hat.“ Ein Satz, der als Arbeitsmoral klingt – und als Versprechen.