Lamperti schlägt zu, deutsche verpassen den sprint – vingegaard startet mit fragezeichen

Die Sonne von Poissy blendete die Hoffnung der deutschen Sprinter. Luke Lamperti fegte mit 22 Stundenkilometern Spitze in die erste Gelbe Jersey der Saison, während Phil Bauhaus und Pascal Ackermann im Getümmel hinterher ruderten und nur noch Staub schluckten.

170,9 Kilometer lang war die Jagd vor den Toren París, doch die letzten 200 Meter wurden zur deutschen Geduldsprobe. Bauhaus verlor das Rad des Vorletzten, Ackermann kam aus zu viel Wind – und schon war Lamperti weg, der 23-jährige Kalifornier, der EF-EasyPost mit einem Seitenwindstoß nach vorne schob. Vito Braet und Orluis Aular konnten noch die Hinterräder des US-Boys sehen, mehr nicht.

Warum die deutschen schnellstarter plötzlich ohne dampf sind

Die Zahlen sind hart: Seit Maximilian Schachmann 2021 die letzte deutsche Etappe in Nizza gewann, warten wir auf den nächsten deutschen Sieg. Bauhaus‘ Sprintzug funktioniert nur, wenn das Team bis 3 km vor dem Ziel komplett ist – gestern riss die Kette bei 4,2 km. Ackermann? Der hatte nach seiner Winterbronchitis erst 21 Renntage in den Beinen. Beide fuhren gestern ohne Lead-out, beide mussten sich in fremde Lücken quetschen. Das Ende: Bauhaus wurde 74., Ackermann 91.

Hintenraus half auch Lennard Kämna nichts. Der Bora-Kapitän sollte eigentlich die erste Woche kontrollieren, doch nach dem Sturz im Februar fehlt ihm das Renngerüst. Nils Politt wiederum war auf Schleusen- und Seitenwinddienst verplant – ein Job, der sich im Finale als Selbstläufer entpuppte.

Vingegaard debütiert – doch die frage ist nicht, wie schnell, sondern wie lange

Vingegaard debütiert – doch die frage ist nicht, wie schnell, sondern wie lange

Während die Kameras auf das Sprintfinale zockelten, schob Jonas Vingegaard sich lautlos durchs Feld. Der zweimalige Tour-Sieger schloss 18 Sekunden hinter Lamperti ab – kein Zeitverlust, aber ein Statement: Er ist da, ohne zu glühen. Das Visier runter, die Atemmaske auf, kein Interesse an Show. Die Visma-Maschine um ihn herum wirkte so straff, als würde sie schon die dritte Woche der Tour probefahren.

Die echte Prüfung kommt morgen. 187 Kilometer von Épone nach Montargis, Querwind über die Beauce, Rückenwind auf die letzten 30 km. Wer da nicht in Position bleibt, verliert vor dem ersten Berg mehr als nur Sekunden.

Fazit: Lamperti feiert seinen ersten WorldTour-Sieg, Deutschland schaut wieder in die Röhre. Und während die Franzosen schon von „Rouge“ träumen, wissen wir: Ohne Schachmanns Nachfolger wird aus der „Fahrt zur Sonne“ schnell eine Fahrt ins Blaue.