Lamborghini schlägt alle rekorde – und lässt den elektro-traum sausen
10.747 Stellen. Nicht auf einer Torte, sondern auf den Lieferscheinen von Sant’Agata Bolognese. 2025 wird im Stammbuch des Stiers als das Jahr eingetragen, in dem Lamborghini mehr Autos verkaufte und mehr Geld einstrich als je zuvor. 3,2 Milliarden Euro Umsatz bei einer operativen Marge von 24 Prozent – Zahlen, vor denen selbst Porsche den Hut zieht.
Warum der neue rekord trotzdem einen beigeschmack hat
Die Glanzleistung steht auf Sand. Denn genau in dem Moment, als die Champagnerkorken knallten, stoppte CEO Stephan Winkelmann das elektrische Sonderprojekt Lanzador. Kein rein batteriegetriebener Lamborghini vor 2030. Stattdessen rollt 2028 ein Plug-in-Hybrid auf die Straße – ein Schwenk, den selbst Fans als Rückwärtsgang interpretieren.
Die Begründung ist so schlicht wie brisant: „Ich sehe keinen Markt“, sagte Winkelmann in einem Interview mit der italienischen Fachpresse. Die globalen Zulassungszahlen für E-Sportwagen brechen ein, die Ladeinfrastruktur bleibt ein Flickenteppich, und die Käufer wollen weiter das Brummen eines V12. Die Rechnung ist simpel: Solange Kunden nicht kaufen, baut Lamborghini nicht – egal, wie sehr die EU-Flottenvorgaben drohen.

Der eisberg vor der haustür
Doch der scheinbare Rückzieher birgt ein Risiko. Ab 2035 will Brüssel neue Verbrenner verbieten, Hybriden nur noch mit schwer erreichbarem E-Fuel-Ausnahmeticket. Lamborghini investiert zwar weiter in Batterieforschung, um „reaktionsfähig zu bleiben“, wie Winkelmann betont. Doch die Entwicklungskosten für den Lanzador sind bereits versenkt, während die Konkurrenz von Ferrari bis McLaren die nächste E-Generation testet.
Die Zahlen des Jahres 2025 kaschieren diese Bruchstelle. Europa kauft 43 Prozent aller neuen Bullen, die USA 31 Prozent, Asien 25 Prozent. Doch gerade in China purzeln die Zulassungen von Elektro-Supersportwagen um 18 Prozent – ein Vorbote für den Rest der Welt. Lamborghini fährt also mit Vollgas auf eine Mauer zu, die noch gar nicht sichtbar ist.
Was jetzt wirklich zählt
Die Rettung kommt aus dem Regal Ad Personam. Jedes fünfte Fahrzeug wird individuell lackiert, bestickt, vergoldet – und bringt eine Marge, von der Golf-Produzenten träumen. Die Sondermodelle Fenomeno, Countach LPI 800-4 und Siàn gelten bereits als Sammlerobjekte mit Kurvenwerten. Solange sich Milliardäre um maßgeschneiderte Carbon-Flügel schlagen, kann Lamborghini die Zeit kaufen, die der Rest der Branche nicht hat.
Die Revuelto, der Urus SE und das neue Temerario – alle drei aktuellen Modelle fahren bereits hybrid. 920 bis 1.015 PS stark, aber eben noch mit Benzin im Blut. Der nächste Schritt wird ein Mittelding: mehr E-Liter, aber immer noch ein zorniger Verbrenner im Bauch. Ob das reicht, um 2035 zu überleben, wird sich in den nächsten zwei Geschäftsjahren zeigen.
Lamborghini hat den Rekord, die Kohle und die Macht. Nur den Stecker zieht der Stier freiwillig nicht. Winkelmanns letzter Satz klingt wie ein Drohgebärde: „Wir bauen keine Elektro-Lamborghinis, bis jemand bereit ist, sie zu kaufen.“ Die Uhr tickt. 3,2 Milliarden Umsatz sind eine schöne Zahl – aber keine Antwort auf die Frage, wie laut ein Elektro-Stier brüllen kann.
