Lahm zieht bilanz: so holt sich deutschland den fünften stern
Philipp Lahm schaut zurück, um nach vorne zu zeigen. Der letzte Kapitän, der Deutschland zum Weltmeister führte, sagt: »Spielen, spielen, spielen – und nie die Lust verlieren«.
Warum der zuckerhut-moment nie verblasst
Rio, 13. Juli 2014, 23.48 Uhr. Lahm stemmt den Pokal in den Himmel. »Das war das Ende einer zehnjährigen Reise«, erzählt er. Die Reise beginnt auf dem Gernbolzplatz in München, wo er als Kind jeden Tag klingelte, um Freunde zum Kicken zu sammeln. Dort lernt er, was er heute als wichtigste Lektion verkauft: »Rückschläge verkraften, immer an sich glauben.«
Die Formel klingt simpel, ist aber sein Erfolgsrezept. Er spricht nicht von Talent, sondern von Wiederholung. »Kleine Ziele formulieren«, sagt er, »Tag für Tag mit Spaß die Basics polieren: passen, stoppen, schießen, dribbeln.« Die Basics, die ihn zu 113-maliger Startelf-Aufstellung und zum Weltmeister machten.

Der blick nach 2026: »südamerika hat einen heimvorteil«
Lahm wird die WM in Vereinsheim und Wohnzimmer verfolgen – mit Sohn und U-14-Co-Trainer-Pflicht. Trotzdem bleibt der Profi wach: »Ich rechne mit Südamerika. Die Mannschaften fühlen sich dort wohler als Europäer«, prognostiziert er. Für Deutschland sieht er »ein Wörtchen mitreden«, wenn die Schlüsselpositionen bis 2026 klar stehen. Kandidaten? Florian Wirtz, Jamal Musiala – und vielleicht ein Newcomer wie Lennart Karl.
Sein Tipp an den aktuellen Kapitän Joshua Kimmich klingt wie ein Zitat aus seiner eigenen Karriere: »Es gibt nichts Schöneres, als Kapitän für Deutschland zu sein.« Mehr muss er nicht sagen. Kimmich kennt die Pflicht.

Vom pokal zum projekt: verein lebt, wenn ehrenamt lebt
Heute steht Lahm nicht mehr im Mittelkreis, sondern im Vereinsvorstand des FT Gern. Seine Mutter ist weiterhin Jugendleiterin, sein Onkel sitzt im Vorstand. Lahm coacht die U-14 seines Sohnes. »Vereinsleben gibt mir Kraft«, sagt er. Über seine Stiftung »treffpunkt verein« finanziert er Vereine, die sich um Ehrenamtliche kümmern. »Ohne sie gäbe es keinen Musiala, keinen Wirtz, keinen nächsten Lahm.«
Die Botschaft ist klar: Wer den fünften Stern will, muss auf dem kleinen Platz anfangen – und darf nie aufhören, zu spielen. Die nächste WM ist in 900 Tagen. Die Uhr tickt. Der Ball liegt wieder auf dem Gernbolzplatz.
