Lahm holt herberger-preis und kündigt nächste stiftungsoffensive an

Philipp Lahm trägt Wolfsburg die goldene Ehre ans Bein. Der 2014er-Weltmeister kassierte am Montag den Sepp-Herberger-Award – und ließ dabei keinen Zweifel daran, dass die 100 000 Euro Preisgeld nur die Startbatterie für ein noch größeres Sozialprogramm sind.

Die Autostadt verwandelte sich kurz vor 20:15 Uhr in ein Mikrofonwald aus Selfie-Sticks, als Lahm den Sonderpreis der Kategorie „Fußball-Stiftung“ entgegennahm. DFB-Präsident Bernd Neuendorf nahm die Stimmung zum Anlass, um gleich die ganze Branche aufzurufen: „Fußball ist mehr als ein 1:0 – er ist Kitt in einer Gesellschaft, die Risse bekommt.“

Der kapitän kehrt zurück – mit stiftung statt stirnband

Während Moderatorin Amelie Stiefvatter zwischen den Tischen hetzte, fiel Lahm ein Satz, der bis in die letzte Reihe durchsackte: „Der Preis ist kein Schlussstrich, er ist ein Aufschlag.“ Die Philipp-Lahm-Stiftung will längst nicht nur mit Kids auf dem Bolzplatz aufräumen, sondern ganze Vereinsstrukturen stärken – von der Inklusions-AG bis zur Kreisklasse.

Die Rechnung des Abends: 11 Preisträger, fünf Kategorien, 100 000 Euro Gesamtsumme. Doch die wirkliche Zahl steckt in den Projekten. Da ist der FC Forstern, der Bayern-weit erste Rollstuhl-Leihsysteme installiert, oder die JVA Butzbach, in der Strafvollzug durch Freistoßtraining entzerrt wird.

Volkswagen-chef achim schaible zückt den daumen

Volkswagen-chef achim schaible zückt den daumen

Schaible schwärmt vom „Herzen von Volkswagen“, das in Wolfsburg schlägt. Gemeint ist nicht der ID.4, gemeint ist das Ehrenamt. „Wir können Motoren bauen und Autos vernetzen – aber diese Projekte verbinden Menschen“, sagt er und klingt dabei sogar ein wenig stolz darauf, dass der Konzern sich diesmal nicht ins Zentrum drängt.

Ein Blick auf die Liste der Gewinner zeigt: Der Fußball rückt dort ab, wo Politik seit Jahren versagt. In Schleswig-Holstein integriert der SV Eichede Flüchtlingskinder, in Berlin hält die VAR-Traditionsgemeinschaft Ex-Profis vom Abrutschen in Alkohol und Isolation.

Und Lahm? Der steht nach der Show am roten Teppich, umringt von Selfie-Jägern, und gibt sich bescheiden wie nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien. „Ich hab nur das Tor aufgemacht“, sagt er. „Jetzt muss die Mannschaft ran.“ Gemeint sind die 25 000 Amateurvereine, die seine Stiftung in den nächsten drei Jahren mit Mentoring, Geld und Know-how unterstützen will. Die Uhr am Arm des Weltmeisters zeigt kurz nach 22:00 Uhr. Für Philipp Lahm tickt sie erst seit heute so richtig.