Lägreid bricht zusammen: olympia-medaille trotz liebeskummer und hungersnot
Sturla Holm Lägreid trug in Antholz nicht nur die Last der norwegischen Medaillenhoffnung, sondern auch das Gewicht eines Geständnisses, das ihm selbst die Luft raubte. Der 29-Jährige lief dreimal Silber und zweimal Bronze ein – und verlor dabei fast fünf Kilo Körpermasse. „Essen und Schlafen war schwer“, sagt er jetzt im NRK-Interview. Die Konfession seiner Untreue vor laufender Kamera fraß sich durch Magen und Nervenkostüm.
Der preis des geständnisses
Zwei Wochen nach dem Klingeln der letzten Schussampel hat Lägreid die Stimme wieder halbwegs im Takt. Doch der Blick auf die Trainingsdaten verrät: Seine Leistung war kein Sieg der Physik, sondern ein Akt der puren Willenskraft. „Ich bin zu dünn“, gesteht er. „Das Defizit ziehe ich durch die restliche Weltcup-Saison.“ Die Bronzemedaille im Einzel war für ihn selbst ein Schock – nicht wegen der Platzierung, sondern weil er sie mit leerem Tank und zitternden Beinen holte.
Was niemand sah: Zwischen der Zieldurchfahrt und der Mixed-Zone schluckte Lägreid nicht nur Iso-Drink, sondern auch Tranen. Die Kameras hatten sich auf die Faust des Trainers gerichtet, doch im Hintergrund stand ein Mann, der soeben seine Beziehung öffentlich begraben hatte. „Jeder, der Ähnliches erlebt hat, weiß: Der Körper reagiert“, sagt er. „So ist es nun einmal.“

Supermarkt und super-gau
Während Lägreid in der Loipe kämpfte, machte ein schwedischer Discounter bereits Werbung mit seinem Liebesdrama. „Lägreid wäre lieber bei uns fremdgegangen – hier gibt’s Alles!“ spottete ein Plakat. Die PR-Abteilung des Konzerns kassierte nach Shitstorm binnen Stunden die Kampagne. Für Lägreid war es nur ein weiterer Schlag auf den sowieso schon blutenden Rippenbogen.
Doch der Athlet zieht Bilanz, die klingt wie ein Spiegelbild der norwegischen Wintersaga: „Dinge müssen nicht perfekt sein, du musst nur präsent sein.“ Dieser Satz dürfte in den Skistadien Europas kursieren, lange nachdem die letzte Patrone gefallen ist. Er spricht über Minusgrade im Herzmuskel, über Nächte mit drei Stunden Schlaf, über den Moment, als er nach Hause fuhr und sich endlich satt essen konnte. „Es war schön, in Bærum wieder einen Teller voll zu haben“, sagt er. Fast klingt es wie ein Sieg.
Die Medaillen sind poliert, die Schuld bleibt. Lägreid wird mit einem Körper in den nächsten Weltcup reisen, der vier Prozent weniger Masse trägt als im Dezember. Die Zeit stoppt keinen Filmriss. Aber vielleicht reicht diese neue Leichtformel, um die Saison zu retten – und um sich selbst wieder an die Spur zu heften, die er in den Schneekristallen von Antholz verloren hatte.
