Kwasniok steht in köln auf der kippe: ga tagt, wagner lauert
Die 3:3-Pleite gegen Gladbach war nicht nur ein weiteres Spiel ohne Sieg – sie war der 7. Pflichtspiel-Seitwärtsgang in Serie. Der 1. FC Köln rutscht auf Platz 15, nur zwei Zähler trennen die Geißböcke jetzt vom Relegationsrang. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler sprach nach Abpfiff von „Stellschrauben, die man sehen muss“. Gemeint: der Trainer.
Der gemeinsame ausschuss entscheidet am sonntag
Um 16 Uhr traf sich der mächtige Gemeinsame Ausschuss (GA) im Geißbockheim. Das Gremium aus Aufsichtsräten und Präsidiumsmitgliedern hat das letzte Wort, wenn es um Millionen-Entscheidungen geht – und um den Job von Lukas Kwasniok. Kessler muss offiziell einen Entlassungsantrag stellen, will er den Kopf des 44-Jährigen. Umgekehrt kann der GA den Geschäftsführer überstimmen; 2023 flog deshalb sowohl Ex-Coach Gerhard Struber als auch Kellers Vorgänger Christian Keller.
Die Rechnung ist hart: seit Anfang Dezember nur zwei Siege, 13 Gegentore in den letzten vier Partien, ein Punkteschnitt von 0,77 – das reicht nicht fürs Mittelfeld, das reicht fürs Mittelmaß der 2. Liga. Die Länderspielpause beginnt nach dem Frankfurt-Spiel am 30. März. Wer jetzt handelt, bekommt 14 Tage ohne Pflichtspieldruck, um neue Automatismen einzuschleifen.

Interne lösung wagner oder externer knall toppmöller?
René Wagner, seit Sommer Co-Trainer und langjähriger Vertrauter von Steffen Baumgart, gilt als heißester interner Kandidat. Der 37-Jährige lehnte Anfragen aus England ab, um in Köln zu bleiben – ein Indiz, dass man sich innerhalb des Vereins schon länger mit einem Plan B beschäftigt. Noch spektakulärer: Dino Toppmöller. Die Entlassung bei Eintracht Frankfurt Mitte Januar machte den 45-Jährigen frei. Kessler hat laut Insidern „alle Szenarien“ durchgerechnet, doch Toppmöller sieht sich selbst als Entwicklungs- und nicht als Rettercoach.
Und dann ist da noch Friedhelm Funkel. Der 72-Jährige sicherte dem FC 2019 den Klassenerhalt, fühlte sich danach abserviert. Funkel sagt, er sei „fit und bereit“. Das klingt nach Déjà-vu – und nach Notnagel.

Kwasniok spürt den zündstoff
„Was können die Menschen mehr erwarten?“, fragte der Trainer nach dem Gladbach-Drama in die Mikrofone. Die Antwort liefert die Tabelle: zwei Siege in 17 Rückrundenspielen, 25 Gegentore nach der 76. Minute – das ist kein Zufall, das ist Struktur. Die Fans sangen zwar noch nach dem Schlusspfiff, doch die Rufe richteten sich an die Mannschaft, nicht an den Coach. Das ist eine Nuance mit Macht.
Kwasniok selbst wirkte wie ein Schachspieler, der merkt, dass der Gegner schon zwei Figuren mehr auf dem Brett hat. Sein Blick: leer. Seine Stimme: heiser. Die Körpersprache der Bank: kein Mitgrölen, nur noch Kommandos. Wenn der GA heute grünes Licht gibt, ist die Trennung binnen 24 Stunde vollzogen.

Die chronologie der nächsten 72 stunden
Montagvormittag: Entscheidung fällt, Kwasniok oder Weg frei für Wagner/Toppmöller/Funkel. Montagnachmittag: erste Trainingseinheit unter neuem oder altem Regime. Dienstag: Medientermin, Fassade wahren oder neuen Schwung verkaufen. Freitag: Auslosung zur Relegation, sollte der FC auf Platz 16 rutschen. Samstag: Testspiel gegen Osnabrück, erste Stimmungstests. Und am 30. März gastiert Eintracht Frankfurt im RheinEnergieStadion – dann steht der 1. FC Köln entweder mit neuem Gesicht oder mit dem alten, aber heißeren auf dem Rasen.
Fazit: Die Geißbock-Rallye beginnt erneut, nur diesmal geht es nicht um Aufstiegsfeierlichkeiten, sondern um bloße Existenz. Wer jetzt zögert, verschenkt Spieltage. Und Spieltage sind inzwischen das kostbarste Gut des Klubs.
