Kvaratskhelia entfacht psg mit 30 minuten feuer
Ein Wechsel, zwei Tore, ein Seitenwechsel: Khvicha Kvaratskhelia schlägt Chelsea k.o. und katapultiert Paris aus der Krise in den Champions-League-Himmel.

Der georgier, der den prinzenpark wieder zum kochen brachte
62. Minute, 2:2, PSG taumelt. Luis Enrique wirft Kvaratskhelia ins Rennen. Was folgt, ist kein Joker-Einsatz, sondern eine Machtdemonstration. Erst jagt er die Londoner mit einem Hackentrick in Bedrängnis, dann donnert er die Kirsche zum 4:2 ins lange Eck. Die 76.000 ahnen: Das Spiel ist gelaufen. Die 86. Minute bringt die Entscheidung. Kvaratskhelia zieht von links nach innen, lässt Reece James alt aussehen und schlägt die Kugel so platziert ins Netz, dass Kepa nur noch Luft greift. 5:2. Der Georgier sprintet zum Kurvenrand, die Tribüne erbebt.
Die Zahlen sind gnadenlos: zwei Tore, ein Assist, vier erfolgreiche Dribblings, 91 Prozent Passquote – alles in 28 Minuten. Für die französische Presse ist das kein Zufall. L'Équipe titelt: „Kvaratskhelia verändert alles.“ Der Guardian schreibt sogar von einem „zotteligen Zeitreisenden“, der wie aus einem anderen Jahrzehnt aufgetaucht sei. Die Boulevard-Blätter in Tiflis feiern ihn schon wieder als „Kvaradona“.
Doch die Nacht von Paris ist mehr als ein Kurzfeuerwerk. Sie ist die Antwort auf Wochen des Zwists. Intern hatte man den 80-Millionen-Mann aus Neapel als Einzelkämpfer kritisiert. Ousmane Dembélé sprach vom „Team vor dem Ich“, Ex-Torwart Bernard Lama monierte eine „ideenlose Truppe“. Die Kabine galt als gespalten. Kvaratskhelia selbst zeigte sich zuletzt zurückhaltend: „Ich spiele, wie ich spiele“, murmelte er nach dem Pokal-Aus in Rennes. Nun schreit niemand mehr nach System, sondern nach Nächstenliebe. Seine Mitspieler tragen ihn vom Feld, Trainer Enrique nennt ihn „den Unterschiedsmacher“. Die Stimmung im Prinzenpark kippt von Sorge zu Euphorie.
Die Ironie: In der Liga liefert der Flügelspieler nur vier Treffer in 21 Partien. In der Champions League dagegen steht er bei sechs Toren und vier Vorlagen in neun Spielen. Paris wartet seit 2021 auf den Henkelpott, und plötzlich ist da ein Georgier, der wie gemacht wirkt für die große Bühne. Die Rückkehr nach London steht an. Stamford Bridge wird auf ihn brennen. Kvaratskhelia selbst lacht das weg: „Wir wollen das Finale. Punkt.“ Keine Rhetorik, keine Lügen – nur ein Mann, der den Ball ins Tor bugsiert. Wenn er so weiterspielt, darf sich Chelsea warm anziehen. Und Paris träumt wieder vom Klang der Champions-League-Hymne.
