Kunstrasen-krimi in stavanger: dfb-frauen müssen gegen norwegen auch den belag besiegen
Stavanger – wer die WM 2027 in Brasilien sehen will, muss zunächst einmal Kunstgras lieben lernen. Im kalten Viking-Stadion wartet am Samstag (18.00 Uhr, sportstudio.de) nicht nur die stärkste Konkurrentin um den Gruppensieg, sondern auch ein Rasen, der sich in der deutschen Startelf erst mal vorstellen muss. „Ich hab echt ewig nicht mehr auf Kunstrasen gespielt“, sagte Jule Brand, während sie ihre Stollen wie ein Testobjekt betrachtete. Die Botschaft: Wer in Norwegen punktet, darf sich Luft für das Ticket verschaffen – wer stolpert, muss im April gegen Österreich plötzlich rechnen.
Warum der belag nicht nur ein nebenschauplatz ist
Christian Wück redet das Thema nicht klein. Für ihn ist das Kunstgras-Spielfeld „ein kleiner Vorteil“ für die Gastgeberinnen, weil Ada Hegerberg und Co. ihre Umschaltmomente darauf einstudieren. Die Norwegerinnen setzen auf ein 4-3-3 mit drei mobilen Spitzen, die alle auf ihre Art gefährlich sind – und alle schon mal auf dem Kunstrasen umgedreht haben, was der DFB-Abwehr wehtun kann. „Es wird an Kleinigkeiten hängen“, sagt der Bundestrainer, der weiß: Ein Punkt würde reichen, um die Gruppe zu behalten, aber drei würden Druck nehmen.
Der deutsche Auftakt gegen Slowenien war ein 5:0, aber kein Meisterstück. Die Räume standen offen, die Ballstafetten ruckelten. Genau diese Lücken hat Norwegen in Salzburg zuletzt gegen Österreich mit einem späten Tor ausgenutzt. Wück fordert nun „ein Spiel über 90 Minuten mit konstantem Raumdeckungsnetz“. Die Kunstrasen-Chaostheorie: Jeder unerwartete Bounce kann eine Kette auslösen – oder stoppen.

Die hegerberg-falle und die deutsche gegenwaffe
Ada Hegerberg ist längst mehr als ein Name. Sie ist eine Drohkulisse, die sich in der Box mit zwei Berührungen löst. Ihre Statistik: 14 Pflichtspieltore in den letzten zehn Länderspielen, drei davon per Kopf. Wück hat Lea Schüller und Laura Freigang aufgeboten, um nicht nur zu verteidigen, sondern selbst Spitze zu bieten. Die Devise: Früh stören, die Norwegerinnen in deren Halbraum pressen, bevor sie das Tempo wechseln können.
Die deutsche Hoffnung heißt Ballannahme unter Druck. Kunstrasen beschleunigt erste Kontakte, belohnt Spielerinnen, die den Ball nicht bis zur Kontrolliebe durchlaufen lassen. Brand, Lohmann und Nüsken trainierten gestern Extra-Schüsse aus der zweiten Reihe – genau die Distanz, bei der der Rasen keine Absprung-Romantik mehr liefert.

Was am samstag wirklich zählt
Ein Sieg würde Deutschlands Konto auf sechs Punkte erhöhen und den direkten Vergleich sichern. Eine Niederlage aber würde die Gruppe offen halten und das April-Doppel gegen Österreich zur Zitterpartie machen. Die Norwegerinnen haben keine Lust, sich erneut über die Play-offs qualifizieren zu müssen – 2011 schmerzt noch. Die DFB-Frauen wollen nach Brasilien, nicht nach Barranquilla.
Spätestens beim Abpfiff steht fest: Entweder fliegt die deutsche Mannschaft mit breiter Brust nach Hause – oder sie fliegt mit offenen Rechnungen in den Frühling. Kunstrasen hin oder her: Wer träumen will, muss zuerst mal stehen bleiben können. Und das gilt auch für den Ball.
