Kobayashi fliegt raus – und prompt wird's hart: eisenbichler attackiert den japaner
Ryoyu Kobayashi schwebte 221 Meter weit, lächelte in die Kameras – und wurde Minuten später aus dem Wettkampf gezogen. Der Grund: ein Zentimeter zu viel Ski, ein Gramm zu wenig Körpergewicht. Die Disqualifikation beim Fliegen in Vikersund schleudert den Superstar aus dem Rennen und entfacht sofort einen Schlagabtausch zwischen den Experten.
Der zentimeter, der alles zerstört
Die Regel ist klar: Wer zu leicht ist, muss kürzere Ski nehmen. Kobayashi war knapp drunter, behielt aber die langen Bretter. Die Jury stoppte ihn. Eurosport-Kommentator Gerhard Leinauer nahm den Japaner in Schutz: „Er weiß, dass er dafür nichts kann. Ein Schluck Wasser mehr, und er wäre dabei.“ Doch das gilt nicht für Markus Eisenbichler. Der Weltmeister von 2019 legt nach: „Da kann man was dafür. Ich habe vor jedem Sprung mein Gewicht kontrolliert. Was du beeinflussen kannst, musst du auch checken.“
Sein Vorwurf: Kobayashi nehme die Vorbereitung nicht ernst genug. Sonnenbrille, Mütze, lässiges Grinsen – das Bild eines Athleten, der mit dem Rückwinds-Image spielt, statt auf Dezimalstellen zu achten. Leinauer stimmt ein: „Manchmal wirkt er zu cool für diese Welt.“

Die rangliste lügt nicht
Trotzdem: Kobayashi bleibt Zweiter der Gesamtwertung, 1.173 Punkte stehen auf seinem Konto. Dahinter lauern Daniel Tschofenig, Ren Nikaido und Philipp Raimund – allesamt ohne echte Chance, den Japaner noch zu schubsen. Der Tagessieg ging an Stephan Embacher, der Österreicher feierte seinen ersten Weltcup-Sieg überhaupt. Für ihn der größte Tag der Karriere, für Kobayashi nur ein weiteres Kapitel in einer Saison, die bisher nicht nach seinem Buch läuft.
Die Moral der Geschichte: Selbst ein Tournee-Dreifachsieger kann wegen eines einzigen Zentimeters straucheln. Und die Skiflieger-Elite diskutiert lautstark, wie viel Lässigkeit Sport erlaubt. Das nächste Mal wird Kobayashi auf die Waage schauen – und vielleicht auf die Sonnenbrille verzichten.
