Elias saad fliegt unter dem radar – doch hannover schwört auf seinen geheimen turbo

Kein Tor, keine Quote, kein Ruhm – und trotzdem schreibt Christian Titz jeden Morgen denselben Namen aufs Trainingsformular: Elias Saad. In der 2. Bundesliga ist der 26-jährige Flügelspieler die einzige Konstante, die sich nicht in Torschützenlisten messen lässt. Das macht ihn zur vermutlich heißesten Nullnummer dieses Winter-Transfers.

Der futsal-geschulte außenseiter

Saad debütierte mit 23 im Profifußball, weil er vorher den Hallenboden polierte. Futsal-Nationalmannschaft, Kreisklasse, dann St. Pauli – diese Karriere-Linie kennt kein Scout-Programm. Genau das reizt Hannover. »Er liest Räume wie ein Schachspieler, nur schneller«, sagt Co-Trainer Markus Feldhoff. Die Statistik sieht trotzdem so aus: 14 Zweitliga-Einsätze, 0 Tore, 1 Assist. Die Null steht da, wo eigentlich der Preisschild klebt.

Die Wahrheit steckt in den Details. Vor seiner Knöchelverletzung durch Kohrs Tritt lag Saads kicker-Notenschnitt bei 2,7; danach bei 4,15. Kein deutscher Flügelspieler schwankte je so abrupt – außer vielleicht der, der vor vier Jahren noch nachts neben seinem Bäckerlehrling-Job trainierte.

Titz’ system frisst seine statistik

Titz’ system frisst seine statistik

Hannover ballert 56 Prozent Ballbesitz durch die Gegner, nur HSV und Fortuna haben mehr. Dabei laufen die Außen nach innen, statt zu sprinten. Saads DNA aber ist 1-gegen-1, Zuckerpass, Mitte, Knall. Ergo: Punkte für die Mannschaft, nicht für sein Portemonnaie. »Wenn er läuft, zieht er zwei Mann auf sich, das öffnet die Räume für Weißhaupt und Beier«, erklärt Titz. Die Tabelle dankt: Seit Saads Leihe kletterte 96 von Rang 8 auf 5.

Gegen Bielefeld hatte er 12 Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte – Rekord in dieser Saison. Kein Hannoveraner läuft mehr intensive Sprints (32,4 km/h Spitze), aber keiner davon endet vor dem Tor. Das ist kein Bug, das ist Feature. Die Fans feiern ihn trotzdem mit »E-li-as Saad«-Rufen, weil sie spüren: Ohne ihn wäre das Spiel eine Uhr ohne Zeiger.

Die wm-ticket-wette

Die wm-ticket-wette

Tunesien-Boss Jalel Kadri schaut jeden Samstag im Livestream vorbei. Für die Wildcard-Quali im März braucht er Spielminuten, keine Tore. Saad liefert: 90 Minuten, 11,3 Kilometer, 54 Ballkontakte – das reicht, um den Profi-Status im Nationalteam zu wahren. Hannover wiederum sichert sich eine Option unter 1,5 Mio. Euro, soll der Knoten doch noch platzen. »Ich will hier lernen, wann ich nicht dribbeln soll«, sagt Saad selbst. Wenn er das beherrscht, fliegt er nicht mehr unter dem Radar, sondern drüber.

Am Sonntag kommt Kiel – zwei Spiele später Darmstadt, dann Karlsruhe. Drei Gegner, die ihre Außenverteidiger hochschieben. Perfekt für einen Mann, der sich in jeden 1-gegen-1-Mikrokosmos verliebt hat. Die Null in der Torjägerliste? Bleibt. Aber die Zahl danach – Punkte, Punkte, Punkte – könnte am Ende über Aufstieg und WM-Ticket entscheiden. Manchmal zählt eben nicht, wer trifft, sondern wer die Lücken reißt.