Costly schreibt ingolstadts not in tore um – und wird zum sommer-heißhut

Marcel Costly schießt, Marcel Costly trifft, Marcel Costly flucht trotzdem. 1:2 gegen Alemannia Aachen, 13. Tor im 30. Spiel, und trotzdem geht der Rechtsaußen mit leerem Magen nach Hause. „Die Überzeugung, das Spiel zu drehen, hat gefehlt“, sagt er, während die Gäste sich die Seiten wechseln und die Schanzer wieder einmal erklären, warum eine Saison halb so lang wie ein Märzregen ist.

Von der abwehrkante zum katapult

Der Umstand, dass Costly überhaupt noch in Ingolstadt ist, verdankt sich zwei Fußverletzungen, einer Achillessehnen-Tragik und dem Mut von Trainerin Sabrina Wittmann. Sie stellte den einstigen Verteidiger im Sommer eine Position nach vorne, weil ihre Stürmer vergessen hatten, wie man Tore macht. Julian Kügel, Ognjen Drakulic, Fredrik Christensen – zusammen kommen sie auf vier Treffer, Mason Toye fällt aus, Mads Borchers leiht sich in Helsinki ein neues Knie. Die Lösung? Ein Deutsch-Amerikaner, der lieber dribbelt als defendiert und dessen Schuss aus 17 Metern noch schneller ist als die Kritik auf Social Media.

Die Zahlen sind lauter als die Arena an schlechten Tagen: 13 Tore, neun Vorlagen, vier Doppelpacks. Nur einmal war er vom Punkt erfolgreich, sonst läuft er, zieht ab, trifft – aus dem laufenden Spiel, mit links, mit rechts, mit dem Gespür des Jägers, der weiß, wo das Netz schluchzt. Dass er dabei nie ego wirkt, macht ihn für größere Klubs zum Schnäppchen. Im Winter gab es schon erste Anfragen, im Sommer wird das Telefon heißer laufen als der Grill am Audi-Sportpark.

Ein abstiegskampf als sprungbrett

Ein abstiegskampf als sprungbrett

Ingolstadt liegt mittendrin im oberen Mittelmaß der 3. Liga, aber das reicht nicht, wenn man sich selbst als Traditionsklub definiert. Costly hingegen definiert sich neu: vom Manndecker zum Manntorschützen, vom Springerbrett zum Fixpunkt. Sein Vertrag läuft bis 2028, doch Verträge sind Fenster, nicht Mauern. „Cello“ steht im Schaufenster, und die Auslage leuchtet.

Die Frage ist nicht, ob er geht, sondern wann die erste Bundesligaversicherung anklopft. Union testete ihn einst, Waldhof ließ ihn ziehen, Ingolstadt hielt ihn fest – nun ist er reif für den nächsten Schritt. Die Schanzer werden ihn nicht halten können, wenn die 15-Tore-Marke fällt. Und sie wird fallen, spätestens am 34. Spieltag, wenn die Entscheidungen fallen und die Koffer stehen. Dann wird Costly nicht mehr erklären, warum sie verloren haben, sondern nur noch lächeln – und den Abschied in die zweite Liga oder direkt darüber buchen. Der Rechtsaußen ist längst mehr als ein Notnagel: Er ist der Grund, warum Ingolstadt noch ein paar Wochen lang von oben träumen darf.