Knorr und späth packen aus: was hinter silber wirklich steckt

Silber schmeckt nach Stolz und Nachgeschmack. Juri Knorr und David Späth reden Klartext über EM-Rollenspiele, Medienhass und den Plan, 2027 endlich Gold zu holen – ohne sich selbst zu verbiegen.

„Wir haben uns rausgekämpft – und wurden trotzdem angefeindet“

Der Januar in Herning war eine Achterbahn: erst das Blackout gegen Serbien, dann die Schützenhilfe aus Wien, schließlich das 25:29 gegen Dänemark. Knorr sagt: „Wir haben die Kurve gekriegt, weil wir die Kritik nicht runtergeschluckt haben, sondern diskutiert.“ Was er damals in die Mikros donnerte, war weniger ein Angriff auf Alfred Gislason als ein Hilferuf. Der Coach reagierte mit Kühle, nicht mit Macht. „Er hat mir fast noch Mut gemacht, weiter anzupfeifen“, erinnert sich Knorr. „Das ist Führung ohne Fratze.“

David Späth bekam die andere Kehrseite der Medaille zu spüren. Als er im Finale statt Andreas Wolff startete, war die Quote nach 45 Minuten bei 39 Prozent – und trotzdem wurde er zum Sündenbock. Experten warfen dem Team vor, das Spiel „abzuschenken“. Späth: „Das hat mich fertiggemacht. Ich habe mir angewöhnt, Kommentare zu screenshotten und sie zu ignorieren, aber der Schmerz bleibt.“

Die lücke zwischen leistung und ruf

Die lücke zwischen leistung und ruf

Handball-Torhüter tauschen sich aus wie Radfahrer Reifen – alle 60 Minuten. Wer das nicht versteht, versteht die Sportart nicht. Späth lacht bitter: „Fußballvergleiche sind bequem, aber sie passen nicht. Manuel Neuer spielt 50 Spiele, ich vielleicht zehn. Trotzdem wird jeder Fehlwurf gewogen wie ein WM-Elfmeter.“

Knorr schiebt nach: „Die Medien brauchen ein Narrativ. Wenn es keinen Bösen gibt, muss man einen erfinden. David war diesmal dran, beim nächsten Mal bin ich dran. Wir können nur lautlos arbeiten.“

2027 Wird die arena brennen – und sie wollen der matchwinner sein

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Die Heim-WM in Deutschland rückt näher, und mit ihr die Last, endlich den Sprung aufs oberste Podest zu schaffen. Die Dänen? „Schlagbar“, sagt Späth. „Wir haben ihnen im Januar gezeigt, dass sie zittern, wenn wir aggressiv starten.“ Knorr ergänzt: „Unsere DNA ist gewachsen. Wir sind keine Außenseiter mehr, sondern ein Pflichtkandidat. Das ist ein Mentalitätsboost und ein Depotschub zugleich.“

Beide wissen: Silber allein genügt 2027 niemandem. „Wir haben die Erfahrung, wir haben den Kader, wir haben das Publikum“, zählt Späth auf. „Jetzt müssen wir nur noch den letzten Prozentpunkt finden – und zwar in den Köpfen.“

Knorrs Fazit ist kurz: „Gold wird nicht geschenkt, man muss es sich erkämpfen. Und wir haben vor, es uns zu holen – egal, wie laut die Kritik wird.“