Undav auf der bank: nagelsmann setzt auf alte muster – ein teufelskreis?
Die Enttäuschung ist spürbar: Deniz Undav, der Shootingstar des VfB Stuttgart, scheint unter Bundestrainer Julian Nagelsmann in der deutschen Nationalmannschaft zur grauen Eminenz zu werden. Trotz seines wichtigen Tores gegen Ghana nach Einwechslung ließ Nagelsmann durchblicken, dass er noch nicht vollkommen von den Fähigkeiten des Stürmers überzeugt ist. Ein bitteres Dilemma für den Angreifer, der in der Bundesliga reihenweise traf.

Die lange liste der joker: warum torgefahr nicht immer zum stammplatz führt
Undav ist kein Einzelfall. Die deutsche Fußballgeschichte ist gespickt mit talentierten Stürmern, die trotz herausragender Leistungen im Verein in der Nationalmannschaft stets eine untergeordnete Rolle spielten. SPORT1 beleuchtet einige prominente Beispiele, die einen Blick auf die vermeintlichen Gründe werfen.
Da ist zunächst einmal Stefan Kießling, der Rekordtorschütze von Bayer Leverkusen. 131 Bundesliga-Tore, die Torjägerkanone – doch in sechs Länderspielen blieb ihm der Treffer verwehrt. Auch bei der WM 2010 spielte er nur eine Nebenrolle, trotz 21 Treffern in der Vorsaison. Kießlings Frustration war offensichtlich: „Seit drei Jahren gab es nie irgendeinen Kontakt“, klagte er über das Fehlen von Rückmeldungen seitens des DFB.
Ein weiteres prominentes Beispiel ist Mario Gomez. Zwischen 2005 und 2013 war er einer der erfolgreichsten deutschen Stürmer, sowohl in Stuttgart als auch bei Bayern München. Doch im Schatten von Miroslav Klose fand er selten die erhoffte Bestätigung. Selbst als er bei der EM 2012 im Angriffszentrum stand und die Torschützenliste anführte, gelang es ihm nicht, sich dauerhaft durchzusetzen. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft im August 2017 unterstrich seine Enttäuschung.
Auch Kevin Kuranyi musste sich mit dem Status des ewigen Jokers abfinden. Sein Trotzausflug aus dem Stadion während eines WM-Qualifikationsspiels im Jahr 2008 besiegelte sein Ende in der Nationalmannschaft. Trotz über 100 Bundesliga-Toren für VfB Stuttgart und Schalke 04 reichte es nie für den ganz großen Durchbruch.
Ulf Kirsten, der Rekordtorschütze von Bayer Leverkusen, litt ebenfalls unter der Konkurrenz durch Klinsmann, Bierhoff und Völler. Seine Rolle blieb stets die des Ersatzmannes, obwohl er in der Bundesliga regelmäßig traf. Und dann der kuriose Fall von Martin Max, der mit 33 Jahren nur sieben Minuten in seinem einzigen Länderspiel absolvierte – obwohl er zuvor zweimaliger Torschützenkönig der Bundesliga war!
Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Die Frage, die sich stellt: Warum wiederholt sich dieses Muster? Liegt es an den unterschiedlichen Anforderungen im Verein und im Nationalteam? An der Taktik des jeweiligen Trainers? Oder an der schieren Qualität der Konkurrenz?
Für Deniz Undav heißt es nun, geduldig zu bleiben und seine Chance zu nutzen, wenn sie denn kommt. Doch die Schatten seiner prominenten Vorgänger liegen lang über ihm. Die Angst vor einem ähnlichen Schicksal ist allgegenwärtig. Ob Nagelsmann den Teufelskreis durchbrechen kann, bleibt abzuwarten.
Die Statistik ist unerbittlich: 18 Bundesliga-Tore sprechen eine deutliche Sprache. Doch im DFB-Dress zählt offenbar etwas anderes. Und das wirft ein schlechtes Licht auf die Auswahlkriterien des Bundestrainers.
