U17-europameister: "mehr spielzeit für die jungs – dann wachsen sie"
Rom – Jubel in Italien! Die U17-Nationalmannschaft hat sensationell die Europameisterschaft gewonnen. Trainer Daniele Franceschini blickt nun nach vorne und fordert: Die Talente müssen in ihren Vereinen regelmäßig Einsatzzeit bekommen, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Ein Appell, der weit über die Grenzen der Fußballschulen hinaus Bedeutung hat.
Die nachwirkungen des triumphes in tallinn
Nach dem hart erkämpften Sieg gegen Belgien in Tallinn herrschte kollektives Glücksgefühl. Doch Franceschini, der 1976 geborene ehemalige Profi von Lazio, Sampdoria und Chievo, lässt die Feierlichkeiten nicht zu lange andauern. Sein Fokus liegt bereits auf der Weiterentwicklung seiner Schützlinge, die im Sommer für Furore gesorgt haben. "Dieser Erfolg ist enorm wertvoll. In Europa zu gewinnen ist immer unglaublich schwer, unabhängig von den Leistungen der vergangenen Jahre. Die Jungs haben etwas Außergewöhnliches vollbracht – nicht nur durch ihre Technik, sondern vor allem durch ihren Charakter, ihre Einheit und ihren unbändigen Willen!", betonte der Coach in einem exklusiven Interview.
Der Weg zum Titel war alles andere als ein Selbstläufer. Besonders die Halbfinalpartie gegen Frankreich und das nervenaufreibende Elfmeterschießen gegen Spanien zeigten den unbändigen Kampfgeist der italienischen U17-Auswahl. Franceschini lobte seine Mannschaft dafür, dass sie auch in schwierigen Momenten nicht die Nerven verloren hat. "Wir haben bewiesen, dass wir auch leiden können, wie in der Halbzeit gegen Frankreich. Das ist eine Tugend, genauso wie gutes Spiel. Die Moral dieses Teams ist außergewöhnlich. Wir haben Momente erlebt, in denen der emotionale Druck enorm war, zusätzlich zu den starken Gegnern. Aber wir haben gelernt, mit Fehlern umzugehen und den Fokus zu behalten – ein unvergessliches Gefühl!"

Die "unsichtbare“ arbeit hinter dem erfolg
Franceschini betonte, dass der Erfolg nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Hintergrund durch harte Arbeit und eine klare Strategie ermöglicht wurde. "Was wir mit dem Club Italia leisten, ist für jeden sichtbar. Aber die Arbeit abseits des Spielfelds, das sogenannte 'unsichtbare’ Training, ist mindestens genauso wichtig. Wir legen großen Wert darauf, die Jungs individuell zu fördern und ihnen zu helfen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Dabei geht es nicht nur um das taktische Verständnis, sondern auch um die persönliche Entwicklung.
Ein besonderer Anreiz waren die Nachrichten aus der Nationalmannschaft, die den jungen Spielern signalisierten, dass sie im Blick sind. "Es war ein enormer Ansporn, auch die Nachrichten aus Coverciano zu hören. Sie haben unsere Halbfinalpartie verfolgt und für uns mitgefiebert. Das Trikot hat eine besondere Bedeutung, und das Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein, hilft, groß zu träumen. Es ist wichtig, dass sie versuchen, den Weg der Spieler zu gehen, die nur ein paar Jahre älter sind."

Die forderung nach mehr spielzeit
Franceschini bringt nun eine deutliche Forderung an die Vereine Italiens vor. "Die Jungs brauchen mehr Spielzeit, auch wenn sie noch jünger sind. Sie müssen in stressigeren Ligen eingesetzt werden, vor allem in der Primavera oder, wenn möglich, in der U23-Mannschaft. Das würde ihnen enorm guttun. Oft sind unsere Gegner in diesem Bereich weiter. Sie werden schon früher gegen erfahrenere Spieler getestet und in kompetitiveren Turnieren eingesetzt. Das ist entscheidend für ihre Entwicklung!"
Franceschini lässt dabei keinen Zweifel daran, dass die taktische Ausrichtung nicht von der Nationalmannschaft vorgegeben wird. "Wir haben keine taktischen Vorgaben. Es geht uns darum, Prinzipien zu vermitteln, die ihre Fähigkeiten optimal hervorheben. Entscheidend ist, dass sie auf dem Platz lernen und Erfahrungen sammeln – und das geht nur durch regelmäßige Einsätze. Die Zukunft des italienischen Fußballs liegt in den Händen dieser jungen Talente. Es liegt an uns allen, ihnen die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Denn eines ist klar: Die U17 hat gezeigt, was möglich ist, wenn man an sich glaubt und gemeinsam kämpft.
