Töpken trifft in der 90.: duisburg fegt 1860 weg – aufstiegsträume platzen
Kevin Volland schlug mit der flachen Hand gegen das Geländer, dann starrte er ins Leere. 24.394 Zuschauer im Wedaustadion hatten gerade mit Thilo Töpken den 2:1-Siegtreffer für den MSV Duisburg erlebt – und die Löwen kriegen den Zahn wieder nicht raus, wenn es um die großen Punkte geht.
Die szene, die alles entschied
90. Minute, Ecke von links, Töpken steht am zweiten Pfosten völlig frei. Sein Volleyschuss kullert durch die Beine von keeper Marco Hiller – das Stadion bebt. „Wir haben diese Wucht“, sagt Töpken, 27, erst 23 Minuten auf dem Rasen, „und auf unsere Kurve zugespielt.“ Die Kurve? Die singt seit Wochen ohne Unterbrechung. Dietmar Hirsch, Trainer der Zebras, schwärmt später: „Thilo hat Scheiße fressen müssen, monatelang kein Kader. Dann kommt er und schießt uns in den Himmel.“
Die Zahlen sind gnadenlos: Fünf Punkte trennen 1860 München jetzt vom Relegationsplatz, den Duisburg beklebt. Fünf Punkte, die sich anfühlen wie zehn. Denn die Löwen verlieren nicht, sie verlieren auf Augenhöhe – und das tut weh. Volland traf die Latte (35.), Sascha Mölders vergab aus fünf Metern (71.), und nach dem 1:1 durch Morris Schröter (74.) glaubten selbst die hartgesottenen Gäste an den Auswärtssieg. Dann kam Töpken.

1860 Bestreitet das spiel – duisburg gewinnt es
Markus Kauczinski, Trainer der Münchner, sprach von „fußballerisch keinem schlechten Spiel“, was höflich klingt, aber die Realität verklärt. Ballbesitz 61 %, Torschüsse 14:10, Eckbälle 8:4 – alles Löwen. Nur das Ergebnis steht auf Duisburger Seite. „Wir haben zu leicht die Bälle verloren“, sagt Kauczinski, „und am Ende nicht auf den Abpraller gestanden.“ Volland klingt wie ein gebrochener Rekord: „Es fehlt am Detail. Immer wieder.“
Das ist keine neue Geschichte. Seit sieben Spielen wartet 1860 auf einen Sieg gegen direkte Konkurrenten. Drei Niederlagen, vier Remis. Das ist der Grund, warum sie auf Platz sieben stehen, während Duisburg als bestes Heimteam der Liga (acht Siege, zwei Remis) punktgleich mit Aufstiegsplatz drei durch die Nacht tanzt.

Programm wird zum endspiel
Für die Zebras kommt Rot-Weiss Essen (4. April), dann Spitzenreiter VfL Osnabrück (7. April) und schließlich Waldhof Mannheim (11. April). Drei Gegner, drei Prüfungen, ein Saisonziel. „Wir sind mächtig stolz“, sagt Hirsch, „aber wir wissen, dass die Fans wieder den Unterschied machen können.“
Die Löwen? Die reisen Samstag erst mal zum Landespokal nach Regensburg, um den Kopf freizukriegen. Acht Liga-Spiele bleiben, um die Lücke zu schließen. Volland: „Wir müssen cleverer werden in den entscheidenden Phasen.“ Die Zeit läuft. Und Duisburg hat gerade gezeigt, wie schnell sich die eigene Saison in einer einzigen Sekunde entscheiden kann.
