Njinmah bricht fluch und schickt werder auf tuchfühlung zum klassenerhalt

Justin Njinmah traf, Leonardo Bittencourt feierte – und Werder Bremen riss sich in Wolfsburg aus dem Sog des Abstiegs. Mit dem 1:0 am Samstag schob der SVW den VfL auf Rang 15 und baute den Abstand auf die Relegation auf satte sieben Punkte aus. Ein Schritt, der im Keller der Bundesliga so viel wert ist wie ein halbes Lebenszeichen.

Bremen wacht in der kabine auf

Die erste Halbzeit war ein Offenbarungseid. Die Grün-Weißen liefen dem Ball hinterher wie Schüler einer Parallelklasse, Wolfsburg spielte sich die Räume frei, vergab aber. „Wir waren verdammt schlecht“, sagte Njinmah im Sky-Mikro, ohne mit der Wimper zu zucken. In der Kabine sprach keiner um den heißen Brei: Entweder sie legen sich ins Zeug, oder die Saison rutscht ihnen durch die Lappen.

Die Antwort kam in der 68. Minute. Erster Bremer Torschuss nach dem Seitenwechsel, Njinmah zieht aus 16 Metern mit links, Moritz Lenz touchiert die Kugel – unten links versenkt. Das 30. Saisontor der Werderaner fiel zum 21. Mal nach der Pause. Kein Klub trifft so spät, so oft. Die Statistik klingt wie ein Seelspruch für alle, die denken, dass Fußball keine Wiedergeburt kennt.

Bittencourt und die 300, die niemand mehr zählt

Bittencourt und die 300, die niemand mehr zählt

Während Njinmah seine Durststrecke beendete, lief Leonardo Bittencourt seine 300. Bundesliga-Partie auf. Der 32-Jährige bekam ein Trikot mit der Nummer 300 und ein Handy in die Hand gedrückt, um den „Dreierlachs“ entgegenzunehmen – ein running gag im Verein, wenn der SVW gewinnt. „Wenn wir heute nicht gewinnen, fahre ich nach Hause und habe einen Scheißtag“, sagte er und lachte nicht. Denn der Mittelfeldspieler weiß: Im Sommer verlässt er den Klub, dem er seit 2019 die Seele aufs Feld trägt. Gewonnen wird in Wolfsburg nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Stück weit Abschied.

Die Bremer Fans feierten trotz halb leerer Gästeblock-Ränge – nach Ausschreitungen im Hinspiel war das Kontingent reduziert. Die verbliebenen 500 sangen sich heiser, bis die Mannschaft sich vor ihnen verneigte. Die Spieler winkten, Bittencourt hielt die 300 hoch, Njinmah klatschte sich an die Stirn. Ein Bild, das in die Chronik eingeht, selbst wenn es nur drei Punkte sind.

Werder hat nun 33 Zähler, Mainz und Union Berlin sind näher dran als je zuvor in dieser Rückrunde. Die Saison ist noch nicht gerettet, aber das Geräusch der Uhr, die tickt, ist leiser geworden. Njinmah sagt: „Wir haben uns das Glück erarbeitet.“ Es klingt wie ein Satz, der bis Mai reichen könnte.