Klinsmann und matthäus: die wut von damals ist nur noch ein kratzer im lack
Ein SMS-Ping, ein Hallo beim Benefiz-Kick – und fertig ist die Versöhnung. Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus haben ihre einstige Fehde abgehakt, bevor sie überhaupt Frührente beziehen. Der Grund? Beide begreifen heute nicht mehr, warum sie sich Mitte der 90er in Talkshows und Gazetten gegenseitig zerfleischten.
Fc hollywood war lauter als die spieler selbst
Die Szenerie: Bayern-München mutiert zum Medientheater, Sammer, Effenberg und die beiden Kapitäne liefern sich Schlagzeilen-Duelle. Matthäus wirft Klinsmann „Showmanntum“ vor, Klinsmann kontert mit „Selbstinszenierung“. Doch im kleinen Kreis, so erinnert sich Klinsmann jetzt im Münchner Abendblatt, „haben wir nie gestritten“. Die Wut war ein Produkt von außen, ein Kampf um TV-Klicks und Titelseiten.
Heute lachen sie darüber. Matthäus: „Wir schreiben uns, wir gucken, wer gerade wo spielt – das ist normale Kollegialität.“ Der 63-Jährige schickt Smiley-Icons, der 65-Jährige antwortet mit Foto vom letzten Italien-Urlaub. Der Streit ist zur Anekdote geschrumpft, die nur noch Journalisten aufwärmen.

Mode, mitte, macht: matthäus war das original
Klinsmann rückt nach – und liefert das beste Kompliment, das ein Ex-Stürmer einem Ex-Sechser machen kann: „Er war der beste Mitspieler, den ich je hatte.“ Liste der Superlative: linke und rechte Schusswucht, Tempo bis zur zehnten Sekunde, Kopf oben, Ball unten. Matthäus habe in einem Paket vereint, „was sonst drei Spieler leisten“. Das ist keine Hofschranze, das ist Statistik: 150 Länderspiele, Weltmeister 1990, zweimal FIFA-Weltspieler.
Und nebenher: Dressman im Armani-Gewand, Schuhe immer zwei Nuancen heller als das Trikot. Klinsmann: „In Mailand fragte er morgens schon: ‚Was trägt man heute?‘ Mode war für ihn Taktik.“
Beide treffen sich beim Legends-Cup in der Audi Dome, schießen Halle-Tore für bedürftige Kids und tauschen neue Familienfotos aus. Die einst gegeneinander gerichteten Wutwelle? Verdampft wie Bierdampf in der Kabine. Matthäus’ Fazit klingt wie eine Anleitung für jeden Twitter-Streit: „Fragt sich nur: Wozu der ganze Schmarrn überhaupt?“
Die Antwort liegt in der Chronik – und die haben sie längst geschlossen.
