Italienischer tennisboom: sinner schreibt geschichte!
Paris – Ein Erdbeben erschüttert die Tenniswelt: Italien feiert eine neue Ära. Acht Jahre nach Marco Cecchinatos sensationellem Einzug ins Halbfinale von Roland Garros bricht eine Welle der Begeisterung über den italienischen Tennissport herein. Jannik Sinner, nun Weltranglistenerster, führt sein Land zu historischen Erfolgen – ein Umbruch, der seinen Ursprung in einem Moment des unglaublichen Mutes hat.

Der funke cecchinato: der wendepunkt
Es ist der 5. Juni 2018. Auf dem Centre Court von Roland Garros begeht Marco Cecchinato, damals Weltranglistenplatz 72, das Unmögliche. Er besiegt Novak Djokovic, der aufgrund einer Knieverletzung nur auf Platz 22 abgerutscht war, in vier Sätzen. Ein Ergebnis, das einem Major seit vierzig Jahren gefehlt hatte. Dieser Sieg war mehr als nur ein Erfolg für Cecchinato; er war der Katalysator für eine Revolution im italienischen Tennis. Die Spieler, die heute auf den Courts stehen, würden unisono auf diesen Moment verweisen, wenn man sie nach dem Wendepunkt fragt. Cecchinato bewies, dass der italienische Tennis nicht dazu verdammt war, für immer im Schatten zu stehen.
Doch die Geschichte des italienischen Tennissports ist nicht immer von Triumphen geprägt. Nach der goldenen Ära der 70er Jahre mit Panatta, Bertolucci, Barazzutti und Zugarelli folgte eine Zeit des Niedergangs. 2001 stürzte die Nationalmannschaft in die Serie B der Davis Cup, die Italian Open riskierten den Abstieg, und Andrea Gaudenzi war mit Platz 54 im Ranking der beste italienische Spieler. Die Situation schien hoffnungslos.
Angelo Binaghi, ein ehemaliger Spieler und Unternehmer, übernahm 2001 das Präsidentenamt und leitete einen radikalen Wandel ein. Sein Ziel war klar: die Rettung der Italian Open als Umsatzquelle und die Schaffung einer soliden technischen Basis, um junge Spieler zu fördern. Die Erfolge der italienischen Frauen im Tennis (zwei Grand-Slam-Titel und vier Fed Cups) zeigten, dass Potenzial vorhanden war, auch bei den Herren.
Der Sieg von Fabio Fognini bei den Masters 1000 in Monte Carlo 2019 zündete dann die nächste Stufe der Entwicklung. Er inspirierte Spieler wie Berrettini, Sinner und Musetti. Matteo Berrettini erreichte 2021 sensationell das Finale von Wimbledon, ein Ziel, das zuvor als unerreichbar galt. Und Jannik Sinner führte Italien 2023 zum zweiten Davis-Cup-Titel seit 1976, indem er im Halbfinale drei Matchbälle gegen Djokovic abwehrte und im Anschluss den ersten Grand-Slam-Titel für Italien seit 47 Jahren in Australien gewann.
Die Revolution ist vollendet, mit Sinner als Weltranglistenerster im Juni 2024. Das Erreichen des Weltranglistenersten ist das Ergebnis eines technischen und emotionalen Weges. Und der Höhepunkt steht noch bevor: Wimbledon 2025, wenn Jannik Sinner auf dem heiligen Rasen von London die Chance hat, die italienische Tennisgeschichte zu perfektionieren.
