Iran trotzt dem krieg mit schulrucksäcken und niederlage
Antalya – Krieg trifft Fußball. Im sonnendurchfluteten Mardan Sports Complex verlor Irans Nationalteam 1:2 gegen Nigeria, doch das Ergebnis war Nebensache. Die 22 Profis stemmten während der Hymne kleine Schulrucksäcke in die Höhe, schwarze Armbänder umschlugen ihre Muskulatur. Symbol für die 150 toten Kinder von Minab, für die Rakete, die laut Teheran am 28. Februar eine Grundschule traf. Die USA sprechen von „friendly fire“, der Iran von Kriegsverbrechen.

Die fifa bleibt stur, trump twittert doppeldeutig
Mexiko als Ausweichquartier? Verbandschef Mehdi Taj will mit der FIFA verhandeln, der Weltverband antwortet knapp: „Spielplan steht.“ Donald Trump schreibt auf Truth Social erst, die Iraner seien „willkommen“, umrundet das Wort im nächsten Satz mit dem Vorwurf, ihre Teilnahme sei „nicht angemessen“. Diplomatisches Pingpong, während die Uhr tickt. Am 11. Juni soll in Los Angeles gegen Neuseeland der erste WM-Punkt folgen, das Quartier in Tucson ist gebucht, die Tickets verkauft.
Doch die Heimat zieht die Notbremse. Diese Woche verbot Teheran offiziell Reisen in „feindliche“ Länder. Die Folge: Irans Frauen verzichteten vor zwei Wochen in Australien auf die Hymne, wurden danach als Verräterinnen beschimpft. Bei den Männern ist nun das Training hinter Panzerglas verlegt: keine Interviews, keine Handyvideos, nur das Spiel. Gegen Costa Rica am Dienstag soll die nächste Probe folgen – mit oder ohne Rucksäcke.
Die Zahl, die bleibt: 150. Unabhängig bestätigt ist sie nicht, aber sie reicht, um eine Mannschaft zu Tränen zu treiben. Wer in diesen Tagen für Iran spielt, spielt nicht nur gegen Gegner, sondern gegen Geister. Und gegen die Frage, ob ein Turnier 8.000 Kilometer entfernt überhaupt noch Fußball ist oder schon Politik auf Rasen.
