Giulia tanno schraubt sich mit big-air-bronze zurück in die weltspitze

0,75 Punkte. So wenig fehlten Anouk Andraska und Mathilde Gremaud, um das Schweizer Olympia-Traum-Duo im Big-Air-Finale komplett zu maczen. Dann rissen sich beide das Kreuzband – und plötzlich stand Giulia Tanno allein da. Drei Monate später knallt die 27-Jährige in Tignes die Antwort aufs Podest: 160 Punkte, Rang drei, Weltcup-Blech endlich wieder in der Hand.

Die quali-blamage von peking wird zur motivation

Tanno selbst hatte die Games als erste Reservierte verpasst. Statt im Spotlight der Welt stand sie am Rande der Piste, sah ihre Freundinnen stürzen, sah den Schweizer Verband verzweifeln. „Ich wollte beweisen, dass wir nicht nur Pech haben“, sagt sie nach dem Springen. Das gelingt mit einer Dreifach-Kombi, die die Jury auf 85,50 und 87,50 Punkte taxiert – nur Naomi Urness (166,75) und Anni Karava (166,00) sind eine Nuance flotter.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: seit Januar 2021 kein Podest, seit Olympia kein einziges Schweizer Big-Air-Finale. Tannos Bronze ist deshalb mehr als ein Platz auf dem Treppchen. Sie ist ein Aufstand gegen die Statistik, ein Schulterschluss mit den verletzten Teamkolleginnen. Sarah Höfflin fliegt als 17. bereits in der Quali raus, doch die 48,25 Punkte der Tessinerin interessieren nach dem Finale niemanden mehr.

Die saison ist gerettet – der druck bleibt

Die saison ist gerettet – der druck bleibt

Die FIS-Weltcup-Tabelle zeigt Tanno nun auf Rang fünf, nur 35 Punkte hinter Spitzenreiterin Urness. Die nächsten Events in Stubai und Kreischberg kommen schnell, und die Schweiz braucht Punkte für die Nationenwertung. Sportchef Peter Stähli atmet auf, doch er kennt die Branche: „Eine Medaille heilt keine Kreuzbänder.“ Gremaud und Andraska fallen mindestens bis Saisonende aus, Tanno muss liefern.

Sie selbst lächelt trotzdem. „Ich habe meine Frustration in Höhe umgewandelt“, sagt sie und deutet auf das Pflaster auf ihrer linken Hand – Erinnerung an einen Sturz in der Trainingseinheit. Die Wunde ist vergessen, die Schweizer Big-Air-Wunde beginnt zu heilen. Und wenn Tanno nächste Woche wieder in der Startbucht steht, wird niemand mehr an Qualifikationsziffern denken. Dann zählt nur noch das nächste Sprungkommando – und die 0,75 Punkte, die irgendwann in Gold umgemünzt werden könnten.