Dan twardzik rettet vsg altglienicke – wieder einmal
Er stand schon einmal zwischen Bank und Abgrund, jetzt steht er erneut dort. Dan Twardzik, einst Bundesliga-Keeper, heute 34, übernimmt zum zweiten Mal in diesem Jahr die VSG Altglienicke – und diesmal hat er neun Spiele Zeit, um aus dem „gehobenen Niemandsland“ der Regionalliga Nordost noch ein Finale im Berlin-Pokal zu zaubern. Der Auftakt: 1:1 beim BFC Dynamo, mit 50 Minuten Trauma-Unterbrechung, einem Schreckensschrei aus dem Block G und der Erkenntnis, dass seine Mannschaft vor allem eins verlernt hat: Tore schießen.
Der keeper, der sich selbst absagte
Die Geschichte beginnt nicht heute, sondern an einem Silvestertag 2017. Twardzik sagt seiner Frau: „Wenn sich bis heute kein Verein meldet, höre ich auf.“ Ein Kreuzbandriss hatte ihm die Beine, kein Klub die Hand gegeben. Da rief Altglienicke an. Der damige Sportchef kalkulierte: Erfahrung, zweite Liga, kostenlos. Twardzik unterschrieb, riss sich erneut das Kreuzband, schob sich danach ins Büro, studierte Coachträger, bestand die A-Lizenz. Seit 2021 steht er nicht mehr im Kasten, sondern an der Linie.
Seine erste Amtszeit als Interimstrainer im Frühjahr 2025: neun Spiele, vier Siege, vier Niederlagen, dabei ein Pokal-Halbfinale gegen genau jenen BFC, der ihn am Sonntag wieder traf. Die Parallelen sind kein Zufall, sondern Programm. „Ich kenne die Codes dieses Vereins“, sagt Twardzik, „ich muss keine Zeit mit Hallo-Sagen vergeuden.“

Torlos in die zukunft
Die Zahlen sind hart: vier Tore in sechs Pflichtspielen 2026, Platz zehn, neun Punkte Luft nach oben, keine nach unten. Die einzige Konstante heißt Mehmet Ibrahimi, dessen 61-Minute-Treffer am Sonntag schon wie der Siegtreffer aussah. Dann kam der BFC-Ausgleich, dazu die Horror-Verletzung von Valdemar Sadrifar. Die Elf musste in die Kabine, das Stadion verstummte, Twardzik redete 50 Minuten lang auf 20 Köpfe ein. „Danach war alles Lotterie“, sagt er. „Aber wir haben nicht genug Nachschub geliefert.“
Torsten Mattuschka, heute Sportlicher Leiter, einst Bundesliga-Kollege, schwärmt: „Er spricht die Sprache der Spieler, aber auch die der Zahlen.“ Neben ihm sitzt nun Björn Brunnemann, Ex-Profi, Co-Trainer, eigentlich verpflichtet für die U23, jetzt Rettungsanker. Gemeinsam wollen sie aus Altglienicke wieder eine Mannschaft machen, die nicht nur dagegen hält, sondern die Gegner bestraft.

Vertrag bis juni, traum bis juli
Vertrag läuft aus am 30. Juni 2026. Danach? Offen. „Ich bin kein Romantiker“, sagt Twardzik. „Ich bin Realist mit Pokal-Option.“ Das Halbfinale steht Anfang Mai, das Finale würde Ende Mai folgen. Ein Titel wäre das Ticket für den DFB-Pokal, für TV-Geld, für ein kleines Wunder. Neun Liga-Spiele, ein Pokal-Halbfinale, vielleicht ein Finale – das ist der Rest seines Altglienicke-Daseins.
Die Geschichte des Dan Twardzik ist keine Aufstiegsgeschichte, sie ist eine Dankbarkeitsgeschichte. Der Verein nahm ihn, als keiner ihn wollte. Er gibt das zurück, indem er das ausmacht, was andere als Saison-Aus bezeichnen. Die Tabelle lügt nicht, aber sie schweigt über den Pokal. Und der beginnt erst jetzt.
