13 Punkte aus 23 spielen: sv adler weidenhausen steht vor der letzten chance
Der SV Adler Weidenhausen spielt ab Samstag drei Heimspiele in Serie – und damit womöglich die letzten Partien in dieser Hessenliga-Saison mit noch echter Hoffnung. Die Zahlen sind gnadenlos: 13 Punkte aus 23 Spielen, Platz 17, neun Zähler Rückstand auf den Relegationsrang. Die Tabelle lügt nicht, sie schreit.
Dennis schanze schaut nicht mehr nach unten
Trainer Dennis Schanze hat aufgehört, die Tabelle zu öffnen. „Ich kenne die Punkteausbeute auswendig, das reicht“, sagt er, während auf dem Kunstrasen des Chattenloh der weize Kalkstrich frisch aufgezogen wird. Gegen Darmstadt 98 II (Samstag, 15 Uhr), Hünfelder SV (2. April) und FC Eddersheim (6. April) muss jetzt ein Sieg her, sonst wird die Kluft zur Rettung unüberspringbar.
Die Geschäftsführung um Ralf Kruse schickt sich an, das Undenkbare zu planen: Abstieg. „Wir wissen, dass 2026/27 andere Namen auf dem Spielberichtsbogen stehen werden“, sagt Kruse. Die Talente der U19 sollen aufrücken, während Leistungsträger wie Henrik Peter bereits den Klub Richtung Eintracht Frankfurt II verlassen. Die Ablöse ist nicht offiziell, aber im Dorf wispert man von fünfstelligen Euro plus Weiterverkaufsbeteiligung.

Die gonnermann-lücke frisst tore
Sören Gonnermann war nicht irgendwer. 20 Treffer schoss er 2023, dann trat er zurück. Seitdem sucht Weidenhausen vergeblich den entscheidenden Abschluss. „In drei Vierteln der Spiele fehlte nur das letzte Quäntchen Zynismus“, sagt Schanze. Die Statistik bestätigt: 19 Tore in 23 Partien – schlechteste Hessenliga-Offensive. Christian Steinmetz wurde aus dem zentralen Mittelfeld in den Sturm versetzt, doch selbst der einstige Lebensversicherer findet keine Räume mehr.
Die Krankenakte liest sich wie ein Lehrstück über Pech. Kapitän Jan Gerbig fiel sieben Wochen aus, Steinmetz fünf, Linksverteidiger Lukas Arens riss sich das Syndesmoseband. Die Bank ist dünn, der Kader zusammengewürfelt aus Dorfjugend und Kreisliga-Leihgaben. „Wir haben keine 18 Mann, wir haben 14 Fitte“, sagt Co-Trainer Timo Löwen, während er die Eisbeutel für die Montagseinheit zählt.

Ralf kruse schwört auf schanze – auch für die regionalliga
Trotz des Desasters soll Dennis Schanze bleiben. „Er arbeitet mit Präzision, auch wenn die Ergebnisse nicht folgen“, lobt Kruse. Der Vertrag läuft 2026, eine Verlängerung ist verbal schon vereinbart. Sollte der Abstieg kommen, würde Schanze den jungen Regionalliga-Kader formieren. „Wir wollen nicht nur überleben, wir wollen zurückkommen – mit dem eigenen Gesicht“, sagt der Vereinschef.
Am Samstag wird der Chattenloh wieder mit 600 Zuschauern pochen, die Kasse klingelt, der Bratwurstduft hängt über dem Gästeblock. Die Fans haben schwarz-gelbe Schals mit der Aufschrift „Nie zu spät“ bestellt. Ob das reicht? Die Wettquoten geben Weidenhausen 18 Prozent Siegchance gegen Darmstadt II. Die dritte Garnitur der Eintracht ist Tabellenfünfter, hat aber nichts mehr zu verlieren. Für Weidenhausen ist alles zu verlieren.
Die Uhr tickt. Nach diesen neun Tagen im März steht fest, ob die Adler noch einmal aufschlagen oder ob der Abstieg zur Formsache wird. Ralf Kruse blickt auf den Rasen, wo die Schatten länger werden. „Vielleicht gibt es ein kleines Wunder“, sagt er. Aber er sagt es leiser als vor Wochen. Weil er weiß: In der Hessenliga schreibt keiner Märchen, nur Protokolle.
