Ksc-stadiondach rostet schon: 6.200 mängel nach nur 2,5 jahren

Das neue Wildparkstadion war Karlsruhes Stolz – 130 Millionen Euro, drei Jahre Bauzeit, ein Eröffnungsspiel gegen Liverpool. Jetzt hängt der Ruhm am Rost: 6.200 Mängel, darunter marode Dachbolzen, zwingen zu einer Nachbesserung, bevor die erste Dekade um ist.

Die stadt will die 3,17-millionen-forderung des baukonzerns halbieren

Die stadt will die 3,17-millionen-forderung des baukonzerns halbieren

Die Zahlen sind ein Offenbarungseid. Mehr als 500 Bolzen halten das Dach über 34.000 Zuschauerplätzen – und ein Teil von ihnen wurde offenbar nicht ordnungsgemäß verzinkt. Feuchtigkeit frisst sich ins Metall, erste Rostblumen blühen. „Keine Gefahr für die Tragfähigkeit“, beruhigt die Stadt. Doch das ist kleiner Trost, wenn die Sommerpause 2026 schon wieder zu einer Großbaustelle wird.

Der Zeitplan ist ein Spagat. Zwischen dem letzten Liga-Spiel und dem Trainingsauftakt liegen gerade sechs Wochen. Die Sanierung soll exakt in diesem Fenster passieren, sonst verschiebt sie sich auf 2027. Die Kosten trägt Zech Sports GmbH – zumindest laut der Schlussvereinbarung, die der Gemeinderat am 24. März absegnen soll. Ohne ihre Unterschrift droht ein Prozess mit offenem Ausgang.

Die Streitwerte sind ein Minenfeld. Der Bauunternehmer fordert 3,17 Millionen Euro Schlusszahlung, die Stadt gibt nur 1,4 Millionen für gerechtfertigt. Dazwischen liegen 1,77 Millionen Differenz – und das Schulterzucken der Steuerzahler, die seit 2007 für jeden Verzug zahlen.

Der Karlsruher SC selbst steht außen vor, steckt aber tief drin. Über 50 Jahre muss der Klub die Baukosten an die Stadt zurückzahlen, 130 Millionen plus Zinsen. Kritiker rechnen vor: Wenn schon jetzt Rost sichtbar wird, wird die Reparaturlawine vor 2073 losrollen. Dann zahlen die Bürger ein zweites Mal – für ein Stadion, das längst zum Großreinemachen verdammt ist.

Am 19. Juli 2023 jubelten 34.000 Fans beim 2:2 gegen Liverpool. Die Choreografie zeigte ein riesiges Dach über dem Kopf – Symbol für Beständigkeit. Drei Jahre später ist aus der Symbolik ein Warnschild geworden: Selbst Milliardenprojekte altern im Schnellverfahren, wenn Kontrolleure schlafen und Gewinne vor Qualität kommen. Die Stadt schlägt sich auf die Schulter, weil der Bauherr zahlt. Doch die Rechnung ohne Zeit ist noch nicht gemacht.