Krug packt aus: var-chaos und hoeneß-eskalation bei der wm 94
Odenthal – Hellmut Krug, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter, blickt zurück auf eine Karriere voller Höhen und Tiefen. Im exklusiven Gespräch mit Sport1 enthüllt er pikante Details seiner Zeit bei der WM 1994 und kritisiert die heutige VAR-Praxis scharf. Ein Blick zurück auf die Hitze, den Druck und eine unvergessliche Konfrontation mit Uli Hoeneß.
Die wm 94: ein albtraum in der hitze
Noch heute schaudert es Krug, wenn er an sein erstes WM-Spiel denkt: Italien gegen Norwegen. 40 Grad, drückende Luftfeuchtigkeit – „Das hältst du hier niemals durch“, dachte er, während er das Stadion betrat. Der Platzverweis gegen Italiens Torwart Pagliuca mag sportlich korrekt gewesen sein, doch die körperliche Belastung war immens. „Mal sehen, wie lange du hier noch stehst und wann du umkippst“, raunte er sich selbst zu, während er die Nationalhymne hörte. Ein Gefühl, das viele Sportler kennen: Der Moment, in dem der Körper an seine Grenzen stößt.

Hoeneß außer kontrolle: eine schiedsrichterkabine in aufruhr
Die Erinnerung an Uli Hoeneß ist Krug ebenso präsent. Nach einem Platzverweis gegen Kuffour soll der damalige Bayern-Boss die Schiedsrichterkabine gestürmt und einen regelrechten Wortwechsel provoziert haben. Karl Hopfner, damals Finanzvorstand, musste Hoeneß schließlich am Arm packen und aus der Kabine ziehen, um die Situation zu deeskalieren. Ein Beleg dafür, dass Emotionen im Fußball manchmal die Oberhand gewinnen – auch bei Funktionären.

Var: fortschritt oder entmündigung? krug schießt scharf
Doch das eigentliche Ärgernis für Krug ist die heutige VAR-Praxis. „Grundsätzlich ist der VAR richtig, weil klare Fehlentscheidungen korrigiert werden können“, räumt er ein. „Aber die Auslegung ist das Problem. Der VAR greift inzwischen zu oft ein, auch in Situationen, die nicht eindeutig sind.“ Eine dreiminütige Überprüfung, so Krug, kann keine klare Fehlentscheidung sein. Er fordert mehr Zurückhaltung und eine klarere Definition, was überhaupt ein „offensichtlicher und nicht diskutabler Fehler“ ist. Denn wenn selbst Experten lange diskutieren, ist es kein VAR-Fall.
Die autorität des schiedsrichters: verloren im var-dschungel?
„Gefühlt war der Schiedsrichter früher der klarere Chef auf dem Platz“, so Krug. „Entscheidungen waren endgültiger.“ Heute, mit der zweiten Instanz des VAR, wirke die Autorität weniger geschlossen. Die Spieler wüssten nicht mehr so genau, wo die Grenzen sind. Ein Zustand, der dem Schiedsrichter die Arbeit unnötig erschwert.
Ein blick zurück: malente und die spartanischen bedingungen
Krug erinnert sich auch an das Trainingslager der Nationalmannschaft in Malente. „Ich war damals im Trainingslager der Nationalmannschaft in der Sportschule Malente dabei. Die war sehr spartanisch ausgestattet. Schmale Hochbetten, mehrere Leute in einem Zimmer, nur ein Bad. Ich habe damals wirklich gedacht: ‚Das ist hier wie eine Jugendherberge.‘“ Eine bewusste Entscheidung, um „den Geist von Malente“ zu wecken, mit dem die Mannschaft 1974 erfolgreich war. Eine Zeit, in der der Fußball noch rauer und direkter war.
Obwohl er die heutige Situation kritisiert, würde Krug wieder Schiedsrichter werden. „Es war eine prägende Zeit mit vielen Erfahrungen und Herausforderungen.“ Und er ist sich sicher: Der Fußball würde auch ohne VAR existieren – auch wenn die Diskussionen dann auf einer anderen Ebene stattfinden würden. Die WM 2026 wird zeigen, ob die Lehren aus der Vergangenheit gezogen wurden.
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