Krickaus furien zerreißen veszprém: berlin erkämpft das ticket für köln
Der Fuchsbau bebte, die Nordkurve schrie sich heiser und Mathias Gidsel ballte die Faust – 35:33 nach Siebenmetern gegen Telekom Veszprém, und der Traum von der Champions-League-Krone lebt. Die Füchse Berlin schaffen im Rückspiel das, was sie acht Tage zuvor in Ungarn verpassten: Sie bügeln das 34:35 aus dem Hinspiel aus und buchen als erstes Team das Final Four am 13. und 14. Juni in der Kölner Lanxess Arena.
Gidsel knackt hansen-rekord und versenkt ungarn mit letztem ball
Der Welthandballer war es wieder, der die Partie auf seine Schultern nahm. Elf Treffer, darunter der siebte Siebenmeter zum 35:33, katapultieren den Dänen auf 144 Turniertore – neuer Rekord. Der alte hielt seit 2016, aufgestellt von keinem Geringeren als Mikkel Hansen. Gidsel lächelt danach nur verschmitzt: „Rekorde sind Nebensache, wir wollen den Pokal.“
Doch der Weg dahin war pure Folter. Berlin startete furios, lag mit 17:11 in Front, kassierte aber noch vor dem Seitenwechsel einen 0:4-Lauf. „Wir haben Veszprém wieder ins Spiel gebracht“, hadert Nicolej Krickau. Der zweite Durchgang ein offener Schlagabtausch: Führungen wechseln, zwei Sekunden vor Ende sogar ein vergebener Veszprém-Siebenmeter. Im Anschluss wuchten Milosavljev mit einer Parade und Gidsel mit dem letzten Wurf die Füchse in den deutschen Traum-Abend.

Milosavljevs hand und freihöfers herz
Zwölf Paraden stand am Ende für Schlussmann Dejan Milosavljev – einer davon im Siebenmeterkrimi. Nationalspieler Tim Freihöfer war mit acht Toren ebenso zur Stelle wie Nils Lichtlein, Tobias Gröndahl und eben jener Freihöfer an der Strafwurflinie. „Wir haben uns gegenseitig in die Arme genommen und durchgezittert“, sagt Gröndahl. Das Kollektiv funktionierte, weil jeder Einzelne seine Rolle annahm.
Die Stats sprechen für sich: 61 % Effizienz aus dem Feld, 67 % vom Siebenmeterpunkt, nur fünf technische Fehler. Veszprém war physisch da, aber Berlin war cleverer – und hungriger. Die Hauptstadt wartet seit der Gründung der Liga 1966 auf diesen Titel, verlor 2023 erst im Finale gegen Magdeburg. Jetzt liegt der Focus auf Köln, wo der nächste deutsche Gegner wartet, sollte Magdeburg am Donnerstag gegen Pick Szeged seine 35:28-Führung verteidigen.
Die sehnsucht wächst – und sie ist laut
Vor dreieinhalb Wochen Pokal, vor zwölf Monaten Meisterschaft, davor Weltpokal – die Vitrine der Füchse glänzt, nur die mit den großen Ohren fehlt. „Wir sind bereit, diese Lücke zu schließen“, sagt Manager Bob Hanning. Die Fans glauben es wieder, sie sangen nach Abpfiff „Wir fahren nach Köln“ bis die Lautsprecher ausklopften.
Die Königsklasse ist kein Wunschkonzert mehr, sie ist greifbar. Und wenn Gidsel so weitermacht, könnte aus dem Rekordtorjäger schnell ein Rekordgewinner werden. Die Füchse jagen jetzt Geschichte – und sie haben den Geruch des Fuchses wieder in der Nase.
