Krickau glaubt an den knockout in magdeburg – füchse jagen die sensation
Magdeburg steht mit 46:4 Punkten da, als wäre die Meisterschaft schon eingepackt. Doch Nicolej Krickau lacht dünn. „Gewinnen wir, steigt unsere Titelchance auf zwei Prozent“, sagt der Füchse-Trainer, während er Kaffee schlürft und die Zahlen wie alte Socken wegwischt. Er weiß: Die Saison ist nicht Mathematik, sondern Psychologie.
Am Samstag, 28. März, 16.05 Uhr, rollt in der GETEC-Arena der Ball, der Berliner Auswärtssieg den Meisterkampf wieder aufreißen könnte. Magdeburg hat seit der EM-Pause drei Pleiten und ein Remis kassiert – der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist angerissen. Krickau spürt den Riss und will ihn aufreißen.

Das erste richtige ost-derby für krickau
„Das Hinspiel war ein Trauerspiel“, erinnert sich Krickau an den September, als er nach dem Doppel-Rauswurf von Jaron Siewert und Stefan Kretzschmar über Nacht das Ruder übernahm. 27:27, zwei Punkte verschenkt, Kabine leer, Fragen offen. „Jetzt kommt mein erstes richtiges Ost-Derby“, sagt er und lässt das Wort „erstes“ wie eine Drohung fallen.
Mathias Gidsel, Welthandballer und Berlins Turbo, schwärmt nicht. Er schaut aufs Spielfeld, wo Magdeburgs Kreisläufer wie Betonmischer wirbeln. „Wir können sie schlagen, auch hier“, sagt er knapp, als hätte er es schon eingetütet. Seine 6,5 Tore pro Spiel sind kein Zufall, sondern Programm.
Stefan Kretzschmar, längst TV-Experte, tippt den Füchse-Sieg. „Der Nimbus ist angeknackst“, wiederholt er wie ein Mantra. Drei Niederlagen in Champions League und Bundeslage haben Selbstzweifel gesät. „Magdeburg ist nicht mehr unantastbar“, sagt er und wirft ein Berlin-Trikot ins Kameralicht – Provokation statt Prognose.
Die Tabelle lügt nicht: Magdeburg führt mit sechs Punkten Vorsprung. Doch die Tabelle lügt auch, weil sie nicht erzählt, wie müde die Beine nach dem Winter sind, wie laut die Köpfe werden, wenn 19.000 Anhauer in der GETEC-Arande brüllen. Krickau weiß, dass zwei Prozent manchmal reichen, wenn der Gegner zweifelt.
Flensburg, Kiel und Gummersbach schielen nebenher auf die Champions-League-Plätze. Für Berlin geht es nicht nur um den Titeltraum, sondern um Europas Königsklasse. Verlieren die Füchse, ist die Saison ein Trostpokal. Gewinnen sie, lebt alles – auch die eigene Seele.
Krickau hat keine Rede mehr über Statistiken. Er packt seine Taktikmappe, zeigt Lücken in Magdeburgs 3-2-1-Deckung, spricht von „Kreisläufer-Fallen“ und „Tempo-Ketten“. „Wir müssen sie in die Zone zwingen, wo sie sich unbehaglich fühlen“, sagt er und deutet auf die Außenpositionen. Dort, wo Gidsel aufläuft, will er den Knockout setzen.
Am Ende bleibt eine einfache Gleichung: 60 Minuten Handball, ein Sieg, und die Meisterschaft bekommt wieder Gesicht. Krickau lächelt nicht. Er zahlt lieber mit zwei Prozent, als mit null zu spielen. Magdeburg mag der Favorit sein – aber Berlin reist mit dem Messer zwischen den Zähnen.
