Kreisliga-skandal: mordverdächtiger spielte unter falscher identität – 27 punkte weg

Ein einziger Mann räumt eine komplette Saison platt. In der Kreisliga München 3 droht der SpVgg 1906 Haidhausen ein 27-Punkte-Abzug, weil ein 34-Jähriger unter falschem Namen auflief – und das, während er von der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes und bewaffneten Drogenhandels gesucht wurde.

Die festnahme war ein kino-comeback

Dezember 2024. Der Verdächtige will mit seinem Auto fliehen, rast auf zwei Beamte zu. Die Polizei erwidert das Feuer, stoppt ihn mit gezielten Schüssen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, die Ermittlungen laufen über München II. Keiner im Verein ahnte, dass der ruhige Mittelstürmer plötzlich landesweit für Schlagzeilen sorgt.

Die SpVgg holte aus zehn Spielen 27 Punkte – ein Fundus, der jetzt komplett kassiert wird. Das Kreis-Sportgericht wertete alle Partien nachträglich mit 0:2, weil der Mann nie spielberechtigt war. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) handelt nach Paragraph 11: Falscher Spieler, null Punkte.

„Ich dachte, das ist ein schlechter witz“

„Ich dachte, das ist ein schlechter witz“

Giuseppe Scialdone, Vorsitzender der Haidhausener, bekam den Anruf vom LKA und glaubte zunächst an einen Faschingsgag. „Er war unauffällig, nie auffällig mit Geld, einfach nur unser Mittelstürmer“, sagt er. Die erlogene Vita klang glaubwürdig: Fitnessstudio-Gesellschafter, festes Einkommen, keine Vorstrafen. Kein Hinweis, dass hinter der Fassade ein Haftbefehl lauert.

Die SpVgg legte sofort Einspruch ein. In wenigen Wochen fällt das Verbands-Sportgericht die endgültige Entscheidung. Für Haidhausen geht es um nicht weniger als den Klassenerhalt – und um die Frage, wie leichtfertig Amateurfußball sich selbst ins Bein schießen kann.

Die Liga schaut gespannt nach München. Die Moral ist simpel: Ein einziges Zertifikat reicht, um eine Saison in Schutt und Asche zu legen.