Krawalle im berliner landespokal: kind traumatisiert, zwölf cops verletzt

Spielabbruch, Pfefferspray, Festnahmen – das Halbfinale des Berliner Landespokals zwischen Sparta Lichtenberg und BFC Dynamo entwickelte sich am Sonntag zur tickenden Zeitbombe. Als der Schiedsrichter in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte die Partie unterbrach, hatte die Pyro-Show längst das Stadion verlassen: Böller knallten auf dem Parkplatz, Flaschen flogen gegen Einsatzkräfte, ein Kind erlitt ein Knalltrauma.

Was genau passierte am stadionrand?

Die Polizei war mit 150 Beamten angerückt – zu wenig, wie sich zeigte. Als sie außerhalb des Stadions Beweise für die zündende Pyrotechnik sichern wollte, attackierten laut Lagebericht „Anhänger des BFC Dynamo“ die Beamten mit Glasflaschen und Böllern. Faustschläge trafen Helme, ein Ordner ging zu Boden, zwölf Polizisten wurden verletzt, blieben aber im Dienst. Der Einsatzleiter ordnete Pfefferspray an, der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für rund zehn Minuten.

Die Zahlen danach: vier vorläufige Festnahmen, mehrere Strafanzeigen wegen besonders schwerem Landfriedensbruch, Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und Beleidigung. Das Match selbst endete nach Verlängerung 6:3 für den BFC – ein Resultat, das angesichts der Eskalation nebensächlich wirkt.

Warum es am abend weiterging

Warum es am abend weiterging

Noch war der Platz nicht abgepflügt, da klingelte bei der Leitstelle schon das nächste Mal: In einem Kneipen an der Weitlingstraße skandierten offenbar BFC-Fans Parolen mit verfassungsfeindlichem Kern. Beamte führte dort Identitätsfeststellungen durch, es gab Widerstand und Beleidigungen, aber keine weiteren Festnahmen. Die Lage blieb bis in die Nacht angespannt.

Für den Berliner Fußball ist das der nächste Rückschlag nach den Vorfällen im November beim Pokalspiel zwischen TeBe und Viktoria, bei dem ebenfalls Pyrotechnik und Platzstürmer das Bild bestimmten. Der Landespokal, einmal ein Fest der Amateurvereine, mutiert zur Bühne für Gewaltexzesse. Die Folge: längere Sperren, erhöhte Sicherheitsauflagen, Imageverlust.

Der Berliner Fußball-Verband will die Vorkommnisse auf der nächsten Präsidiumssitzung am Freitag debattieren. Schon jetzt deutet alles darauf hin, dass das Finale – BFC Dynamo gegen Union II – unter Hochsicherheitsbedingungen stattfinden wird. Termin: 1. Mai, Ort: Olympiastadion, Zuschauer: vermutlich nur mit Dauerkarte und Personalausweis.

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt