Kovac rast über nagelsmann: beier bleibt daheim – der bvb jubelt
Niko Kovac schüttelt den Kopf, als wolle er ein Gespenst verscheuchen. Maximilian Beier, Torschützenkönig der Hinrunde, sitzt am Samstagabend nicht im Flieger nach Mainz, sondern auf der heimischen Couch. Nagelsmann lässt den BVB-Torjäger aus dem DFB-Kader. Kovac versteht die Welt nicht mehr.
Die begründung klingt nach ausrede
„Maxi hat Trainingsrückstand“, sagt Nagelsmann im NDR-Interview. Dabei hatte Beier in den letzten drei Pflichtspielen 210 Minuten durchgespielt, zwei Tore gemacht, eine Vorlage. Kovac dazu nur: „Wenn das Rückstand ist, bin ich der Papst.“ Der BVB-Coach spricht schneller als sonst, die Stimme kippt ins Sarkastische. „Vielleicht will Julian einfach, dass Maxi gegen den HSV frisch bleibt. Dann sagt er das doch.“
Der Club reagiert intern gelassen. Sportchef Sebastian Kehl telefoniert zwei Minuten mit Beiers Berater, danach ist klar: kein offizieller Protest, keine Pressemitteilung. Stattdessen flattert durch die WhatsApp-Gruppe der Profis ein Sticker: Beier als Super-Mario, mit Krone und Feuerball. Die Mannschaft lacht, der Spieler selbst auch. Er will sich nicht in Politik verwickeln lassen.

Die statistik lügt nicht
Die Zahl, die Nagelsmann nicht erwähnt: Beier erzielte in dieser Saison 17 Pflichtspieltore – nur Kane und Undav liegen vor ihm. Sein xG-Wert von 0,81 pro 90 Minuten übertrifft jeden deutschen Stürmer außer Musiala. Kovac hat die Excel-Tabelle ausgedruckt, im Bus nach Hamburg auf dem Schoß liegen lassen. „Wenn Julian diese Zahlen sieht und trotzdem nein sagt, dann ist das seine Entscheidung. Aber sie ist nicht logisch.“
Der BVB profitiert kurzfristig. Beier spart sich 1.200 Reisekilometer, zwei Trainingseinheiten mehr mit dem Co-Trainer, der ihm seit Wochen verspricht: „Wenn du so weitermachst, wirst du uns die Meisterschaft schießen.“ Gegen den HSV trifft er doppelt, der zweite Treffer fällt in der 89. Minute zum 3:2. Die Südkurve skandiert seinen Namen, Kovac wirkt nach dem Abpfiff wie jemand, der im Lotto gewonnen und gleichzeitig einen Strafzettel erhalten hat.
Nagelsmann wird am Montag wieder nach Hause schauen, wenn die Nations-League-Gruppe ohne deutsches Torjäger-Talent beginnt. Kovac wird an diesem Tag in der Leichtathletik-Halle sitzen, Tochter Lara bei einem Schülerwettkampf anfeuern. „Ich wünsche Julian nur das Beste“, sagt er da, „aber wenn wir im Mai Meister werden und Maxi 25 Tore hat, dann lade ich ihn trotzdem zur Parade ein. Er soll sehen, was er verpasst.“
