Kostyuk: „auf welcher seite stehen sie?“ – wut über andreeva und co.
Madrid – Marta Kostyuk, die ukrainische Tennis-Hoffnung, lässt ihrem Ärger freien Lauf. Nach ihrem Einzug ins Halbfinale der French Open richtet sie harsche Kritik an Spielerinnen wie Mirra Andreeva, die sich nicht klar gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine positionieren. Die Thematik überschattet für die 23-Jährige den sportlichen Erfolg.

Ein match mit doppeltem gewicht
Für Kostyuk ist das Halbfinale am Donnerstag mehr als nur ein tennisartiges Duell. Es ist ein Spiegelbild des Krieges, der ihr Land verwüstet. Während sie und ihre Landsfrauen wie Elina Svitolina kämpfen, um die Hoffnung am Leben zu erhalten, beobachtet sie mit Sorge die Haltung mancher russischen Spielerinnen. Die junge Mirra Andreeva, die sie kürzlich im Finale von Madrid bezwungen hat, gehört dazu.
„Wenn man dem nicht zustimmt, kann man etwas tun und dort nicht mehr leben“, so Kostyuk in einem Gespräch mit dem sportschau.de. „Es gibt nichts, was dich stoppen kann, wenn es etwas ist, woran du nicht glaubst.“ Ihre Worte sind ein Aufruf zur Verantwortung, ein Appell an die internationale Gemeinschaft, nicht wegzusehen.
Kostyuk hat gelernt, mit der Situation umzugehen. „Wenn ich das nicht könnte, wäre ich nicht in der Lage gewesen, sie zu schlagen“, sagt sie. Doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Ablehnung gegenüber der passiven Haltung vieler ihrer Gegnerinnen. Sie erinnert an Daria Kasatkina, die sich für Australien entschieden hat und sich klar gegen Russland positioniert hat. „Sie ist ein tolles Beispiel.“
Die Frage, auf welcher Seite man steht, ist für Kostyuk nicht verhandelbar. Die Ukrainerin sieht es als moralische Pflicht an, sich gegen das Unrecht zu stellen. „In vier Jahren haben sie, denke ich, aber sehr klar gemacht, auf welcher Seite sie stehen. Mit dieser Bürde müssen sie leben.“
Es ist ein Kampf, der weit über den Tennisplatz hinausgeht. Ein Kampf um Werte, um Menschlichkeit, um die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Kostyuk kämpft nicht nur für sich selbst, sondern für ihr Land und für alle, die unter dem Krieg leiden.
