Köster schlägt doppelt zu: sieg gegen ägypten, dann der preis, der ihn mehr kostete als jeder check

41:38 gegen Ägypten, und Sekunden später steht Julian Köster nicht mehr im Kreis aus Kameras, sondern inmitten von Athleten, die ihn seit Jahren mit Vornamen rufen. Der 27-Jährige verlässt die Gluthalle Dortmund als Spieler – und kehrt zurück als Mensch, den die Special Olympics zur Ikone erklären.

Der moment, in dem der hallenlärm verstummt

Die Urkunde ist schlicht, das Papier aber wiegt mehr als jede Medaille. „Engagementpreis“ steht darauf, in schwarzer Serifen-Schrift. Was zählt, ist der Satz dahinter: „Für Vorbildfunktion und Teilhabe.“ Köster zögert, bevor er ans Mikrofon tritt. Nicht aus Angst, sondern weil er weiß: Jetzt reden nicht mehr 19.000 Fans, sondern 12.000 Athleten mit geistiger Behinderung mit.

Mirjam Prahst Matrinez, nationale Athletensprecherin der Special Olympics Deutschland, drückt die Stimme deshalb ins Trockene: „Julian nimmt sich Zeit, uns zuzuhören. Das ist keine PR-Etappe, das ist Alltag.“ Ihre Worte hallen länger nach als der Pfiff des Schiedsrichters beim 41:38. Köster selbst sagt nur: „Ich bin kein Held. Ich bin einfach da.“

Warum der preis mehr wert ist als jeder sponsorentag

Warum der preis mehr wert ist als jeder sponsorentag

Die German Handball Awards verteilen jährlich zwölf Trophäen – für Tore, Paraden, Nachwuchs. Die Kategorie „Engagement“ ist die einzige, die keine Statistik kennt. Jurys werten Reichweite, aber auch Nachhaltigkeit. Köster absolvierte 2025 allein 34 Schulstunden, 17 Trainingscamps und einen Podcast mit Athleten, der keine Zuhörerzahlen braucht, weil er in den Whatsapp-Gruppen der Sportler unendlich weitergeleitet wird.

Die Zahl, die niemand auf die Leinwand wirft: 1,3 Millionen Menschen in Deutschland leben mit geistiger Behinderung. Der DHB zählt 750.000 Lizenzspieler. Köster verbindet beide Statistiken mit einem Handschlag.

Was nach dem applaus bleibt

Was nach dem applaus bleibt

Der Flur hinter der Bühne riecht nach Pizza und Desinfektionsmittel. Köster trägt noch sein leeres Taktikbuch unter dem Arm, darin hat er Notizen von den Athleten: „Julian, bringst du nächstes Mal Kekse?“ Er lacht, aber es klingt nicht wie nach einem Sieg. Es klingt wie nach einer Verpflichtung, die länger läuft als sein Vertrag beim SC Magdeburg.

Die nächste Station steht fest: Juni, Berlin, 4.000 Teilnehmer bei den Nationalen Spielen. Köster wird wieder ohne Kamera da sein. Er wird wieder zuhören. Und er wird wieder verlieren – beim Tischkicker gegen Athleten, die ihn jedes Mal auslachen, weil er sich nicht traut, richtig zu schießen. Das ist sein Ritual. Das ist sein Preis.