Korkmaz stürzt, spiel stockt – u21-quali wird zur nebensache

35. Minute, Torksey-Stadion Rijeka. Egemen Korkmaz rutscht an der Seitenlinie aus, knallt mit dem Hinterkopf auf den Rasen. Sekundenstille. Dann sprintet die türkische Betreuerstaffel, die Kroaten rennen herbei, das Spielfeld wird zur Notarzt-Zone.

Die szene, die keine kamera einfing

Was genau passierte, bleibt Fragment. Keine TV-Bilder, keine Amateur-Handy-Sequenz. Augenzeugen sprechen von einem harmlosen Rückwärtsschritt, plötzlichem Matschgeruch, einem dumpfen Aufprall. Korkmaz liegt reglos, die Hände der Physios zittern, die Spieler vergraben Gesichter in Trikots. Die Nachwuchskräfte von Türkei und Kroatien sind 20 Jahre alt – heute fühlen sie sich 50.

Die Schiedsrichter umgehend die Fifa-Notfallroutine: Spielunterbrechung, Krankenwagen auf den Platz, Funkkontakt zur Uefa-Kontrollstelle. Die U21-Europameisterschaft ist ein Milliarden-Marketing-Produkt, doch in diesem Moment zählt nur ein Herzschlag.

Als die nachricht kam, dass er atmet

Als die nachricht kam, dass er atmet

Erst nach 18 Minuten gibt der türkische Verband auf X Entwarnung: „Egemen war bei Bewusstsein, hat geantwortet, wird vorsorglich ins Klinikum Rijeka gefahren.“ Die Kurve der Emotionen kippt von Todesangst zu kollektivem Seufzer. Die Teams einigen sich auf Weiterspielen – nicht aus Pflicht, sondern aus Respekt. Korkmaz hätte es so gewollt, wissen die Spieler. Seine Halbzeitpredigt war noch: „Zeigt Charakter, Jungs.“

Die Partie endet 2:2, beide Tore danach wirken wie Fußball von einem anderen Stern. Pressekonferenz? Fällt aus. Dafür die Prognose der Ärzte: leichte Gehirnerschütterung, keine operativen Maßnahmen, Beobachtung bis morgen früh. Die Qualifikation für die Endrunde 2025 steht auf Messers Schneide, doch heute Abend interessiert das niemanden.

Sport ist Business, Statistik, Einschaltquote. Und manchmal ist er nur ein Mann, der am Spielfeldrand ausrutscht, und die ganze Sportwelt hält den Atem an. Korkmaz wird wieder aufstehen – sein Team auch.