Korir zertrümmert mutais traumzeit – boston erlebt den schnellsten marathon aller zeiten
2:01:52 – diese Zahl wird Boston wecken. John Korir stampfte am Montag über die Ziellinie und riss Geoffrey Mutais 15 Jahre alte Bestzeit um 70 Sekuten in Stücke. Der Kenianer lief nicht einfach nur schnell, er demontierte das Feld nach Kilometer 35 mit einer kalten 14-Kilometer-Solo-Show, die selbst die erfahrenen Zuschauer am Heartbreak Hill verstummen ließ.
Der moment, als der rennzug entgleiste
Stillstand bis Halbmarathon – das war die Devise. 43:45 lautete die Zwischenzeit bei Kilometer 15, ein Tempo, das der deutsche Außenseiter Pfeiffer gemeinsam mit den US-Boys Ford und Maier vorgab. Dahinter: ein geduldiges afrikanisches Rudel, in dem sich niemand die Karten zeigen wollte. Erst Lemi Berhanu griff beim Getränkepunkt vor dem Halbmarathon, doch Korir reagierte mit einem Satz, als hätte jemand den Turbo-Knopf gedrückt. Von da an war kein Mittelmaß mehr sicher.
Die nächsten Angriffe folgten Schlag auf Schlag: Zouhair Talbi schaufelte sich Luft, Milkesa Mengesha probierte es mit einem Ruck. Beide schafften Lücken – beide wurden eingefangen. Als Mengesha auf Kilometer 30 plötzlich zehn Sekunden Vorsprung herausrannte, glaubte selbst der TV-Kommentator an eine Wende. Doch Korir, frisch gebackener Berlin-Sieger, zog das Tempo so unbarmherzig an, dass sich das Feld wie ein altes Puzzle auseinanderfiel. Nur Kipruto, Talbi und Simbu hielten kurz mit – dann war auch ihnen die Puste ausgegangen.

50.000 Dollar-bonus und ein familienrekord
Ab Kilometer 35 jagte Korir allein über die welligen Straßen von Newton. Jede Viertelmeile steigerte er die Führung, bis die Uhr bei 1:29:00 für 30 km stand – das bedeutete Sub-2:02, eine Marke, die vor zehn Jahren noch als Science-Fiction galt. Die letzten fünf Kilometer wurden zur Triumphparade: 2:48-Minuten-Schnitte, ein Gesamtsieg in 2:01:52 – und ein Scheck über 50.000 Dollar für die neue Streckenbestleistung. Für die Familie Korir ist das der d Boston-Sieg: Bruder Wesley triumphierte 2012, nun folgt John mit einer Zeit, die selbst den legendären Eliud Kipchoge zum Schmunzeln bringt.
Parallel feierte der Schweizer Marcel Hug im Rollstuhl seine neunte Boston-Krone. 1:16:06 – sechs Minuten vor dem Zweiten, eine Demonstration der Extraklasse. Bei den Frauen setzte sich die Britin Eden Rainbow-Cooper in 1:30:51 durch und verdrängte die Schweizerin Catherine Debrunner vom Thron. Doch der Tag gehört Korir. Seine 2:01:52 sind nicht nur eine Bestzeit, sie sind eine Kampfansage an die Marathonwelt: Wer nächstes Jahr in Boston antritt, muss sich auf einen Kampf gegen die Uhr – und gegen John Korir – einstellen.
