Kolumbien feiert testspielsieg – aber gibt es noch baustellen vor dem wm-debüt?

Bogotá bebt – zumindest kurzzeitig! Die kolumbianische Nationalmannschaft ließ sich von Costa Rica, das personell und mental angeschlagen war, mit 3:1 abschütteln. Ein Erfolg vor dem Startschuss des WM-Qualifikationsspiels gegen Usbekistan, der aber mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Néstor Lorenzo, der Trainer, experimentierte viel, doch die Ergebnisse müssen mit Vorsicht interpretiert werden – das war kein Gradmesser.

Luis díaz sticht heraus, das mittelfeld kämpft

Einer, der auch im gemischten Ensemble überzeugte, ist zweifellos Luis Díaz. Der Angreifer zeigte eine beeindruckende Vielseitigkeit, agierte als Flügelstürmer, Spielmacher und sogar als Mittelstürmer, krönte seine Leistung mit einem sehenswerten Treffer und bereitete zudem die Führung durch Dávinson Sánchez per Eckball vor. Seine Fitness trotz der Höhenlage von Bogotá ist schlichtweg bemerkenswert. Es kristallisiert sich eine erste Elf heraus: Vargas im Tor, Muñoz und Lucumí als sichere Abwehr, Mojica und vermutlich auch Díaz auf den Flügeln. Aber im Zentrum herrscht noch Improvisation – und das ist ein Problem.

Die jungen Wilden Puerta und Gómez demonstrierten dagegen, dass sie bereit sind, ernst genommen zu werden. Puerta, ein Überraschungsmann aus Spanien, wirkte im Mittelfeld ungemein abgeklärt, während Gómez mit seiner Physis und Schnelligkeit für frischen Wind sorgte. Das ist ein gutes Zeichen für die Kaderbreite, allerdings auch ein Indiz dafür, dass die etablierten Kräfte nicht immer ihr Bestes geben.

Doch Vorsicht: Die Defensive wirft weiterhin Fragen auf. Gegen einen stärkeren Gegner wird die mangelnde Abstimmung und die fehlende Entschlossenheit in der Rückwärtsbewegung deutlich zu werden drohen. Lorenzo sprach es selbst an: „Wir müssen uns in der Defensive verbessern, vor allem im Umschaltspiel.“

James rodríguez: formkrise oder ausnahmefall?

James rodríguez: formkrise oder ausnahmefall?

Ein weiteres Fragezeichen steht hinter James Rodríguez. Der Routinier wirkte angeschlagen und müde, was auch an seiner aktuellen Situation beim Minnesota United liegen könnte. Seine Formkurve ist besorgniserregend, und es bleibt abzuwarten, ob er bis zum ersten WM-Spiel wieder in Topform ist. Die Konkurrenz im Mittelfeld ist groß, und er muss sich sputen, um seinen Platz im Team zu verteidigen.

Auch die Innenverteidiger haben noch Nachholbedarf. Vargas im Tor wirkte in den Schlussminuten unsicher, was die Diskussion um eine mögliche Rotation mit Álvaro Montero neu entfacht. Die Balance muss stimmen, und das wird Lorenzo in den verbleibenden Tagen noch finden müssen.

Die Vorfreude auf die WM ist groß, doch die kolumbianische Auswahl hat noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Das Spiel gegen Usbekistan wird ein erster Test, der zeigen wird, ob die Mannschaft bereit ist für die Herausforderungen, die vor ihr liegen. Die Zeit drängt, und es gilt, die letzten Zweifel auszuräumen. Denn im WM-Geschäft zählen nur Ergebnisse – und die müssen von Beginn an stimmen.