Kolstad-exodus geht weiter: hovde-rückzieher lässt hamburg jubeln

Martin Hovde ist weg, das Geld ist da. Mit einem Schlag verliert Kolstad Handball am Dienstag seinen dritten Leistungsträger innerhalb von 48 Stunden – und kassiert dafür eine Transfersumme, die in Trondheim die nächste Saison mitfinanziert.

Der kreisläufer zieht den stecker – und löst eine kettenreaktion aus

Der kreisläufer zieht den stecker – und löst eine kettenreaktion aus

Die Nachricht kommt per Pressemitteilung, aber die Wucht spürt man auch am Telefon. „Wir haben gemeinsam entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist“, sagt Klubchef Erik Håkonsen. Gemeint ist: Wir verkaufen, bevor wir verlieren. Hovde, 26, Norwegens bester Kreisläufer seit der Zeit von Bjarte Myrhol, wechselt sofort zum Handball Sport Verein Hamburg. Kein Leihtrick, kein Sommer-Deal – sofort. Die Ablöse: laut norwegischen Medien 250.000 Euro plus Boni. Für einen Klub, der im Vorjahr noch mit leeren Rängeln kämpfte, ist das ein Rettungsanker.

Trainer Christian Berge muss wieder von vorn beginnen. Erst verabschiedete er Kapitän Sigvaldi Gudjonsson nach Hannover, dann verlor er Andreas Palicka an den TBV Lemgo. Jetzt auch noch Hovde. „Wir haben drei Topleute ersetzt – mit dem Geld können wir vier neue holen“, sagt Berge, aber man hört ihm die Anspannung an. Sein Plan, in der Champions League erneut das Achtelfinale zu knacken, schwankt.

Hamburg dagegen tanzt. Die Hanseaten verloren mit Niklas Weller einen Kreisläufer, der in der Rückrunde noch MVP war, und Andreas Magaard wechselt zu GOG. Nun plötzlich Hovde – stärker, schneller, hungriger. Manager Torsten Jansen spricht von „einem Transfer, der uns in der Mitte wieder Lebensmut gibt“. Die Fans im Volksparkstadion-Norden skandieren bereits „Hov-de, Hov-de“, obwohl der Norweger erst im März debütieren darf.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In der laufenden Saison traf Hovde 72-mal aus dem Rückraum, 61 Prozent Trefferquote, mehr als jeder andere Kolstad-Akteur. Ohne ihn sinkt die Torquote der Norweger um 18 Prozent – ein Loch, das selbst Berge mit zwei Neuzugängen nur schwer stopfen kann.

Für Kolstad beginnt jetzt der wahre Test. Der Klub aus der Trondheimer Provinz wollte 2024 zur europäischen Spitze aufschließen, doch der Exodus raubt dem Projekt den Schwung. Die nächste Woche entscheidet, ob Ersatz kommt – oder ob das Märchen einmal mehr ein Jahr zu früh endet.