Kölns abwehr: ein kartenhaus im abstiegskampf?

Darmstadt – Ein Hoffnungsschimmer wurde zur Enttäuschung: Was zwischenzeitlich an Stabilität erinnerte, zerbrach beim 1. FC Köln in Frankfurt in kürzester Zeit. Zweimal ließ die Defensive der Geißböcke nach der Pause die Frankfurter zu einfachen Toren laufen, was die Defensive in Frage stellt und Trainer René Wagner vor eine enorme Herausforderung stellt, während der Abstiegskampf auf den Höhepunkt zuläuft.

Die duellschwäche als hauptproblem

Albert Riera, der Coach von Eintracht Frankfurt, analysierte nach dem 2:2 treffend: „Was passiert ist, ist, dass wir in der zweiten Hälfte aufgehört haben, Duelle zu gewinnen.“ Diese Aussage wirft ein Schlaglicht auf das eigentliche Problem der Kölner Abwehr: Die fehlende Entschlossenheit in den Zweikämpfen. Wie leicht sich Fares Chaibi zwischen die Kölner Verteidiger schob und wie Jonathan Burkardt unbedrängt zum Ausgleich traf, verdeutlicht die Defizite in der Abstimmung und im Kampf um jeden Zentimeter.

Es war nicht nur ein taktisches Problem, sondern eine Frage des Willens. Weder Cenk Özkacar noch Denis Huseinbasic oder Jakub Kaminski zeigten die nötige Konsequenz, um den Algerier in Schach zu halten. Auch Kristoffer Lund war zu spät, und im Strafraum ließ Chaibi Özkacar schlichtweg alt aussehen. Rav van den Berg und Sebastian Sebulonsen blieben zudem unentschlossen im Fünfmeterraum, was Burkardts Treffer überhaupt erst ermöglichte. Nur drei Minuten später profitierte der Frankfurter Stürmer erneut von einem schwachen Zweikampfverhalten van den Bergs.

Wagner muss jetzt handeln – und spieler beweisen sich

Wagner muss jetzt handeln – und spieler beweisen sich

René Wagner räumte nach seiner Premiere ein: „Das müssen wir besser verteidigen, da werden wir drüber sprechen.“ Seine ruhigere Spielweise hatte zunächst Hoffnung geweckt, doch die Frankfurter nutzten die Kölner Schwächen gnadenlos aus. Die Tatsache, dass der FC nur 33 Prozent Ballbesitz hatte, ist dabei weniger relevant als die mangelnde Sicherheit im eigenen Bereich.

Die Kölner Abwehr, die ohnehin von zahlreichen Verletzungen gebeutelt ist, wirkt derzeit alles andere als ein Bollwerk. In den vergangenen acht Spielen mussten die Kölner stets einem Rückstand hinterherlaufen. Nur Wolfsburg und Heidenheim haben in dieser Saison seltener die Null gehalten – und belegen mit Fug und Recht die Abstiegsplätze. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Wagner die richtigen Stellschrauben finden kann, um die Defensive zu stabilisieren.

Ein Hoffnungsschimmer könnte der junge Engländer Jahmai Simpson-Pusey sein, der nun wieder zur Verfügung steht. Seine Gelassenheit und spielerischen Qualitäten könnten gut in das nun ruhigere Spiel der Kölner passen. Für ihn persönlich gilt es, zu beweisen, dass sich die teure Kaufoption aus Manchester City lohnt. Auch Cenk Özkacar, der seinen Verbleib in Köln ausdrücklich wünscht, steht unter Druck. Er muss zeigen, dass er die Qualität besitzt, um eine feste Säule der Abwehr zu werden. Die direkten Duelle gegen Bremen und St. Pauli am kommenden Wochenende werden dabei richtungsweisend sein. Gelingt es dem FC, dort zu punkten, können sie sich eine deutlich komfortablere Position im Abstiegskampf schaffen. Ansonsten droht ein noch tieferer Fall.