Kölns abstiegsdrama nimmt kein ende – el mala rettet spät den punkt
Der 1. FC Köln schafft es einfach nicht, den Knoten zu knacken. Beim Aufsteigerduell in Hamburg reichte es trotz wilder Schlussoffensive nur zu einem 1:1, die Sieglos-Serie währt nun sechs Spiele. Die Reaktion auf der Tribüne: ein Gemisch aus Erleichterung und blanker Frustration.
Kwasniok steht mit dem rücken zur wand
Lukas Kwasniok wischte sich nach dem Schlusspfiff mit der Hand übers Gesicht, als wolle er das Bild der Tabelle wegwischen. Der Kölner Coach hatte vor Wochen noch von „Kontrolle über die Situation“ gesprochen – jetzt reden alle über den Derby-Druck. Mit 26 Punkten auf dem Konto trennt den FC nur noch ein einziger Zähler vom Relegationsplatz, am nächsten Samstag gastiert der Erzrivale aus Mönchengladbach im RheinEnergieStadion. Ein Verlust dort, und die Saison rutscht in den Freifall.
Der Spielverlauf lief wie ein Déjà-vu. Köln dominiert Ballbesitzzahlen, verpasst aber die Großchancen. HSV-Portuguiese Fábio Vieira nutzte die erste Lücke, liebäugelte mit dem Lupfer aus 18 Metern und ließ Marvin Schwäbe keine Chance. Sechs Minuten später antwortete Said El Mala mit einem Kopfball, der so wuchtig war, dass selbst die Hamburger Blockflöte verstummte. Doch danach? Nichts. 55 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, nur zwei aufs Tor – Zahlen, die keinen Sieg rechtfertigen.

Hsv spielt die rechnung mit dem zeitspiel
Merlin Polzin winkte in der 75. Minute seine Mannschaft nach vorn, dann wieder zurück. Der HSV-Coach betrieb Schach auf Rasen: Er wollte nicht gewinnen, er wollte nicht verlieren. Das gelang. Mit dem Punkt kann Hamburg die Tabelle aus eigener Sicht beruhigt betrachten: Sechs Punkte Vorsprung auf St. Pauli, zwölf auf einen direkten Abstiegsplatz. Die Hanseaten haben drei Spiele mehr Zeit, die nötigen Zähler zu holen – ein Luxus, den sich Köln nicht mehr erlauben kann.
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Kein einziger Sieg seit dem 2:1 gegen Bochum Anfang Februar, nur drei Tore in den letzten fünf Partien. Die Abwehr wirkt stabil, der Angriff lahm. Und die Uhr tickt. Noch achf Spiele, dann entscheidet sich, ob der FC seine erste Bundesliga-Saison nach dem Wiederaufstieg direkt wieder vermasselt. El Mala stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen am Mittelkreis und starrte auf den Rasen. „Wir müssen endlich mal wieder dreifach punten“, sagte er leise, aber die Worte verpufften im Getöse der enttäuschten mitgereisten Fans.
Köln hat keine Zeit mehr für Psychogramme. Wer am 34. Spieltag noch auf dem 15. Platz steht, kann nicht jammern – nur noch gewinnen. Das nächste Finale ist schon am Samstag. Und am Ende zählt nur, wer die Tore macht, nicht, wer die Ballbesitzzahlen dominiert.
