Kohfeldt hört sich plötzlich auf japanisch – darmstadts ki machts möglich
Florian Kohfeldt stand im Kabinenflur, Tippspielanalyse in der Hand – und hörte plötzlich seine eigene Stimme auf Japanisch. Der SV Darmstadt 98 hat ein KI-Tool eingeführt, das Traineransprachen in Echtzeit übersetzt. Für den 43-Jährigen war das kein Zukunftsszenario, sondern Alltag im Marchfeldstadion.
„Ja, schrecklich!“, lacht Kohfeldt, als er sich an den Moment erinnert. „Meine Frau hat sofort die Sprachnachrichten-Regel bekommen: Nie wieder vertrauen, wenn meine Stimme auf Japanisch kommt.“ Dahinter steckt ein Algorithmus, der nicht nur Worte, sondern auch Fußball-Dialekt versteht. Darmstadt-Interna wie „Pressingkeil“ oder „Sechser-Dreieck“ landen sofort korrekt im Ohr von Yuki Oda und Co.

Warum der klub auf ki setzt
Der Zweitligist managt 17 Nationen im Kader. „Deutsche Profis mit Zweitliga-Budget? Fehlanzeige“, sagt Sport-Geschäftsführer Thomas Storck. Stattdessen scoutet der Klub in Japan, Spanien, Frankreich. Die Folge: Kabine wird Tower of Babel. Kohfeldt spricht Deutsch, Englisch, ein bisschen Französisch. Japanisch? „Nur Danke und Itadakimasu vor dem Essen.“
Die Lösung: Jede Ansprache wird aufgezeichnet, analysiert, gefüttert. Das System lernt, dass „Masche“ nicht nur ein Fachbegriff ist, sondern auch das emotionale Gefüge der Mannschaft. Ergebnis: Spieler verstehen taktische Weisungen in ihrer Muttersprache – und Kohfeldt spart Dolmetscherkosten. „Wir reden hier über Milliarden von Mikro-Entscheidungen auf dem Platz. Da zählt jede Nanosekunde“, sagt der Trainer.
Doch die KI macht nicht nur ernst. Im Trainingslager schaut Kapitän Sergio Lopez mit Kai Klefisch „Temptation Island“ auf Spanisch – synchronisiert vom eigenen Tool. „Teambuilding 4.0“, nennt das Kohfeldt. „Wenn sich einer wegen falscher Untertitel lustig macht, ist das beste Chemie.“
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Einführung stieg die Verständlichkeit taktischer Instruktionen laut interner Analyse von 72 auf 94 Prozent. Die rote Laterne der Zweiten Liga leuchtet trotzdem. „Fußball ist kein Excel“, sagt Kohfeldt. „Aber wenn die Seele einer Mannschaft schon digital übersetzt wird, dann sollte sie wenigstens richtig klingen.“
