Kobel ist gesetzt, der rest ein poker: wm-torwart-roulette beginnt

Die Schweiz fliegt in 96 Stunden nach Nordamerika – und Murat Yakin hat noch keinen Plan, wer ihm zwischen den Pfosten die Hosen runterlässt. Hinten liegt die Ruhe, vorne der Sturm. Gregor Kobel wird die Nummer eins sein, das steht fest. Doch dahinter? Ein Pokerspiel mit offenen Karten und verdeckten Fallen.

Yvons letzter tanz und der junge, der nie spielt

Yvon Mvogo sammelt seit Jahren Caps wie andere Briefmarken. Elf Einsätze, null Glamour. In Lorient hält er den Mittelfeld-Abstiegsklub am Leben, doch die WM wird seine letzte große Bühne. Neben ihm: Marvin Keller, 23, frisch gebacken, aber noch ungebacken. Young Boys zittert um die Meisterschaft, Keller um seine Reputation. Statistisch liegt er hinter Racioppi, hinter Köhn, hinter der eigenen Erwartung. Die Nummer drei zu sein, reicht nicht, wenn der Coach plötzlich doch zählen muss.

Philipp Köhn ist der Unruhestifter. In Monaco blockt er Kylian Mbappé, wirft PSG aus der Champions League, kassiert trotzdem nur Spott wegen des verletzten Hradecky. 29 Pflichtspiele in einer Saison – das ist keine Ersatzrolle, das ist Lebensversicherung. Yakin schaut, rechnet, schweigt. Racioppi spielt sich in Sion in Form, hält in zehn Spielen den Nuller. Die Super League ist kein Etikettenschwindel, sie ist sein Probearaum. Der Genfer will zurück in die Nati, koste es, was es wolle.

Jonas omlin schaut zu, silas huber schaut nach vorn

Jonas omlin schaut zu, silas huber schaut nach vorn

Leverkusen leiht, Gladbach vergisst. Omlin sitzt hinter Blaswich, hinter Flekken, hinter sich selbst. Vier Länderspiele, kein Konzept. Die WM kommt ohne ihn. Silas Huber dagegen träumt laut. FC Zürich gibt ihm das Tor, die U-21 gibt ihm die Bühne. Noch ist er zu jung für Katar, aber nicht zu jung für St. Gallen. Yakin lädt auch schon mal fünf Keeper ein, nur für den Fall.

Am 27. März testet die Nati in Dortmund gegen Deutschland, drei Tage später in Genf gegen Norwegen. Die letzten Bewerbungsgespräche. Wer da patzt, fliegt. Wer fliegt, darf im Mai gegen Jordanien noch einmal ran – oder nie wieder. Die Entscheidung fällt am 12. Juni, wenn die 26 Namen in die FIFA-Cloud hochgeladen werden. Bis dahin zählt nur eine Frage: Wer hält, wenn der Druck zu groß wird? Die Antwort steht zwischen Kobels Sicherheit und Kellers Zittern. Und irgendwo dazwischen wartet ein Schweizer Sommermärchen, das noch gar kein Märchen ist.