Knappster sieg aller zeiten: dtb-pokal geht an deutschland dank 0,3 punkten

Stuttgart – 0,3 Punkte. Das war der Unterschied zwischen Gold und Silber, zwischen Jubel und Frust, zwischen Karina Schönmaier und dem Schweizer Traum vom ersten Mixed-Cup-Sieg seit fünf Jahren. Am Samstagabend schlug das deutsche Sechser-Ensemble mit 54.100 Zählern zurück – und ließ die Schweiz mit 53.800 Zählern im Porsche-Arena-Staunen stehen.

Die letzte rotation wurde zur achterbahn

Als Alexander Kunz nach seinem Barren-Abgang die Arme in die Höhe riss, war die Spannung noch nicht vorbei. Die Schweizer standen bereits in der Mixed-Zone, die Hände auf den Köpfen, als die Tafel das Endergebnis anzeigte. „Wir haben es tatsächlich geschafft“, flüsterte Lea Quaas, noch ganz atemlos vom Boden-Aufgang, der mit 13.650 ihre beste Note des Tages war.

Die Australier um Emily Whitehead konnten mit 49.100 nur zuschauen und sicherten sich Bronze. Kanada folgte mit 48.750. Für Deutschland ist es der zweite Mixed-Cup-Triumph seit der Einführung 2019 – und der erste auf heimischem Boden.

Timo eder liefert die kür und den killer-instinkt

Timo eder liefert die kür und den killer-instinkt

Während Schönmaier an Balken und Sprung solide 13.4 und 13.5 ablieferte, war es vor allem Timo Eder, der die Stimmung auf 105 Dezibel trieb. Mit einer Risiko-Kür am Reck – Yamawaki direkt in die Kolman – holte er 14.050 und schob den deutschen Vorsprung auf 0.18 Punkte vor der letzte Rotation. „Ich wusste, dass wir mindestens so stark landen müssen wie die Schweizer“, sagt Eder. „Also habe ich die Extra-Handelegung reingepackt. Alles oder nichts.“

Der Plan ging auf. Denn obwohl Nils Dunkel am Barren einen Halt verlor – 0.5 Abzug – reichte es, weil Silja Stöhr am Balken einen nahezu fliegenden Übergang in den Handstand zeigte und damit die Wertung 13.700 kassierte. Die Schweizer konterten, aber ihre Maxime von 6.2 am Barren blieb 0.3 unter dem deutschen Schnitt.

Was heute und morgen wirklich zählt

Was heute und morgen wirklich zählt

Am Sonntag stehen die Gerätefinals an – für Statistiker eine Formsache, für die Athleten die letzte Chance, sich für die WM-Nomination zu empfehlen. Bundestrainerin Jana Kurzaj sieht trotz des knappen Sieges keine Grund zur Übereiferung: „Wir haben gezeigt, dass wir unter Druck stabil bleiben. Genau das verlangt die WM in Antwerpen im Oktober auch.“

Für Schönmaier geht damit eine kleine Serie weiter: Sie gewann 2024 schon den Team-Weltcup, nun den Mixed-Cup. „Jeder Titel ist ein Stück Selbstvertrauen“, sagt sie. „Aber 0.3 Punkte sind auch ein Warnschuss: Wir müssen sauberer landen, sonst klappt es in Antwerpen nicht.“

Die Schweizer Selektion wird die Nacht in Stuttgart vermutlich schlaflos verbringen – und das deutsche Team mit 0,3 Punkten Vorsprung in den Feierabend starten. Manchmal entscheidet im Sport nicht das große Kunststück, sondern das letzte Aufbäumen auf der Mattscheibe. Diesmal hatten die Deutschen das bessere Timing. Punkt. Aus. Vorbei.