Klinsmann zündet wm-turbo: 'dieses material kann alles holen'
Die Silbe fällt wie ein Startschuss: Material. Jürgen Klinsmann spricht vom Kader der DFB-Elf, als handele es sich um Raketentechnik – und meint damit, dass Deutschland diesen Sommer nicht nur dabei ist, sondern mitmarschieren wird. 'Dieses Spielermaterial gehört zu den besten der Welt', sagt der Ex-Bundestrailer im Gespräch mit transfermarkt.de. Kein Zucken, kein Zweifel. Nur ein Satz, der alles auf Null stellt.
Sturm-problem? klinsmann lacht weg
Während andere Nationen noch einen echten Knipser suchen, hat Julian Nagelsmann laut Klinsmann das Gegenteil: ein Überangebot. 'Er hat die Qual der Wahl vor lauter Mittelstürmern', so der 60-Jährige. Niclas Füllkrug, Kai Havertz, Deniz Undav, Thomas Müller – jeder bringt eine andere Gangart mit. Die Konkurrenz schlafe deswegen nicht schlechter, sondern besser. 'Wir sind auf der Position besser aufgestellt als die meisten Mitfavoriten', stellt Klinsmann klar. Wer dachte, Deutschland müsse sich hinter Frankreich, Brasilien oder England verstecken, irrt.
Doch Talent allein reicht nicht. Das weiß der Mann, der 2006 als Coach die Heim-WM zum Kollektiv-Turnier degradierte und Oliver Kahn auf die Bank setzte. 'Kahn wurde zum Antreiber in jedem Training', erinnert sich Klinsmann. Der damalige Kapitän Michael Ballack habe die Gruppe vor und nach dem Anpfiff im Griff gehabt. 'Nur wenn die Spieler von 12 bis 26 alles geben und für alles bereit sind, wirst du bei einer WM Erfolg haben.' Der Satz klingt nach Kommando, ist aber ein Appell an Nagelsmann, die Stimmung täglich zu takten.

Die kahn-analogie als warnsignal
Klinsmann inszeniert 2006 eine Bank-Nummer-zwei-Revolution. Kahn spielt mit, wird zur Leitfigur außerhalb des Kastens. Das sei 'phänomenal' gewesen, sagt Klinsmann – und meint: So muss auch die aktuelle Reserve mit dem Schicksal umgehen. Denn wer sitzt, kann murren oder motivieren. Der Coach fordert ein Mannschaftsgefüge, das sich nicht in Fraktionen aufspaltet, sondern in einem 26-Köpfe-Takt schlägt. 'Das Trainerteam muss die Stimmung jeden Tag spüren und notfalls eingreifen.' Kein Netz, kein Filter. Direkte Kommunikation statt WhatsApp-Flurfunk.
Die WM in den USA, Mexiko und Kanada rückt näher. Klinsmann, heute Analyst und Investor, gibt der deutschen Elf den Titel-Anstrich. Ob das reicht? Die Antwort liefert er gleich mit: 'Wenn sie wollen, können sie diesen Sommer Großes erreichen.' Das 'wollen' betont er so stark, als stünde es in Anführungszeichen. Denn Material allein gewinnt keine Spiele. Es braucht den Kahn-Modus: Bank, Training, Kabine – alles Einsatz. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Die Rakete steht auf dem Launchpad.
