Klima-aktivist wirft peloton in brügge: molano stürzt, staatsanwalt ermittelt

Ein Mann, ein Sprung, ein Haufen zersplitterter Carbon-Rahmen. Die Ronde van Brugge mutierte am Mittwoch zur Farce, als der flämische Serial-Protestler Xander D. auf dem einzigen Kopfsteinpflasterstück des Tages vor das Feld sprang – Juan Sebastián Molano rutschte in der Eiseskälte aus, UAE-Team Emirates verlor seinen Kapitän, der Veranstalter seine Geduld.

Die Szene dauerte keine drei Sekunden, reicht aber, um das Rennen zu ruinieren. Begleitmotorräder bremsten heftig, Molano touchierte ein Hinterrad, knallte aufs Pflaster. „Das Bike ist hin, der Ellbogen blutet, aber die Wut ist größer“, sagte Mechaniker Joris nahe der Zielgerade. Hinter ihm versammelten sich bereits zehn Fahrer, die ebenfalls zu Boden gegangen waren – mit Schürfwunden, gebogenen Schaltwerken und einem einzigen Verdacht: Anschlag.

Shirt-botschaft zielte auf kindersterben

„Kinder sterben durch die Klimakrise in 3 … 2 … 1 …“, prangte in schwarzer Folie auf dem T-Shirt des 48-Järtigen. Dieselbe Parole, die er 2022 schon an der Zielkurve der Rund um Flandern schwenkte. Damals lief er über die Matte, diesmal blockierte er die Rennstrecke – und riskierte ein Massenpile-up bei 55 km/h. Die Polizei nahm ihn fest, zwölf Stunden später kam er auf freien Fuß, die Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr landete trotzdem auf dem Schreibtisch der Staatsanwaltschaft Brügge.

Für den Rennveranstalter ein deutliches Signal: „Wir lassen uns die Sicherheit nicht kapern machen“, sagte Koordinator Jef Van Dessel. Die Ronde van Brugge zählt zwar nicht zur WorldTour, gilt aber als Generalprobe für das Frühjahrsklassiker-Programm. Teams buchen hier Testläufe für Flandern, Sponsoren schalten ihre ersten Frühjahres-Spots – ein Imageschaden, den sich die Region kaum leisten kann.

Molano selbst schwieg nach dem Sturz. Stattdischen preschte er mit zerrissener Trikot-Hülse zum Teambus, ließ sich die Hand verbinden und schickte später eine knappe WhatsApp-Nachricht an die Kollegen: „Bin okay, aber wir fahren nicht für Schaulustige, sondern für unseren Lebensunterhalt.“

Serie von protesten eskaliert

Serie von protesten eskaliert

Der Aktivist ist in Flandern kein Unbekannter. Er klebte schon „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ im Mauritshuis zu, beschmierte das Brügger Rathaus mit Klimathesen und randalierte an der Kunstuni Gent. Doch erstmals gerät sein Handeln ins Strafrechtliche – und in die Budgetplanung der Teams. UAE-Manager Joxean Fernández kalkuliert jetzt mit einem Ersatzrad, das 15.000 Euro kostet, plus Physio-Stunden und mögliche Startverzicht-Strafen, falls Molano in den nächsten Tagen anschwillt.

Die UCI leitete ein Sicherheitsaudit ein. Spätestens beim E3-Saxo Classic und Gent-Wevelgem will der Verband mobile Barrieren aufstellen, die ein Eindringen auf die Trasse verhindern sollen. Kostenpunkt: 1,2 Millionen Euro. Die flämische Regionalregung signalisierte bereits, die Hälfte zu übernehmen – ein Preis, den die Steuerzahler für einen einzelnen Protestierenden zahlen, der nicht einmal ein Ticket löste.

Am Ende der 189 Kilometer lachte nur Jasper De Plus. Der 24-jährige Kant-Student profitierte vom Windbruch nach dem Sturz, fuhr seine erste Profi-Podiumsplatzierung ein und durfte stolz den silbernen Schleifenbecher über sich ergehen lassen. Molano indes verließ mit Tape um Handgelenk und Zorn im Bauch die Stadt. „Ich will nächstes Jahr wiederkommen – aber bitte ohne Sektierer auf der Piste“, sagte er. Die Organisatoren werden ihm recht geben. Denn wenn schon der Wind in Flandern gnadenlos ist, muss der Mensch es nicht auch noch sein.