Kircher zieht notbremse: var soll nur noch klare fehler korrigieren

Knut Kircher hat genug. Der Chef des deutschen Schiedsrichterwesens fordert einen radikalen Kurswechl beim Video-Assistenten – weg vom Mikromanagement, zurück zum ursprünglichen Anspruch: klare Fehler verhindern, sonst die Klappe halten.

„Wir müssen wieder hin zur ursprünglichen Motivation: glasklare Fehler korrigieren“, sagt der 57-Jährige und zählt die historischen Vorbilder auf: das Wembley-Tor, Maradonas Handständer, Henrys Handspiel gegen Irland, die Phantomtore von Helmer und Kießling. Genau dafür wurde der VAR 2018 eingeführt – nicht, um Haarspalterei in Millisekunden zu betreiben.

Ein hauch von fußballromantik: 80:20-entscheidungen sollen wieder schiedsrichtersache sein

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Seine Devise: Wer 70:30 oder 80:20 sieht, braucht kein Headset. „Wir wollen Schiedsrichter auf dem Platz, die Entscheidungen treffen.“ Je seltener der VAR eingreift, desto mehr wachsen die Persönlichkeiten in Schwarz, ist Kircher überzeugt. Der Nebeneffekt: Spieler und Fans bekommen ihre emotionalen Momente zurück, ohne dass jede Jubelpose erst auf VAR-Befehl unterbrochen wird.

Die jüngste Attacke von Uli Hoeneß nach dem 1:1 zwischen Leverkusen und Bayern („schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je erlebt habe“) weist Kircher kategorisch zurück. „Emotionale Reaktionen verstehe ich, aber fachlich-nüchtern betrachtet ist der Vorwurf haltlos.“ Er habe das Spiel analysiert: keine Fehlentscheidung, nur heiße Köpfe.

Kircher selbst pfiff 244 Bundesliga-Partien, bevor er ins DFB-Management wechselte. Schon bei seinem Amtsantrakt vor zwei Jahren empfand er den Umgang mit dem VAR als „zu kleinteilig“. Jetzt will er Handeln statt Lamentieren: Die Instruktion an die 24 Erstliga-Referees lautet, künftig nur noch einzugreifen, wenn ein offensichtlicher Fehler vorliegt – nicht bei jedem Zweifel in Zeitlupe.

Die Stimmung in den Stadien ist laut Kircher „am Anschlag“, die Akzeptanz sinkt. Seine Lösung klingt verblüffend einfach: weniger Pixel, mehr Mut. Ob die Liga ihm folgt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Kirchers Forderung steht: „Wir müssen wieder Fußball spielen lassen.“