Kinderkrankheit am kaiserstuhl: die freiburger talentschmiede stottert

Die Zukunft des SC Freiburg trägt rote Lampe. U 23, U 19 und U 17 versinken gleichzeitig in den unteren Regionen ihrer Ligen – eine Schocksituation, die selbst die sonst so gelassene Fußballschule ins Grübeln versetzt. Wer bisher auf das nächste Ginter oder Günter wartete, muss umschwenken: Momentan steht der Verein vor allem für den nächsten Kampf gegen den Abstieg.

Die Zahlen sind das schmerzhafte Protokoll eines verschenkten Herbstes. Freiburg II kassierte bereits 51 Gegentore, die U 19 schaffte keinen der drei Matchbälle für die Meisterrunde, die U 17 verpasste die Qualifikation ebenfalls. Trainer Bernhard Weis spricht offen vom „Abstiegskampf“, Ausbildungsleiter Andreas Steiert sucht vergeblich nach dem „großen roten Faden“. Die Devise „Ergebnis ist sekundär“ gilt nicht mehr, wenn die eigene Torwart-Statistik wie ein Notarztbericht liest.

Die abwehr ist ein sieb, der sturm schießt gegen schatten

Die Defensive der Zweitvertretung wirkt wie ein offenes Tor zur Schwarzwald-Region. Fünf Spiele ohne Sieg, 51 Gegentreffer – das ist kein Ausrutscher, das ist Strukturbruch. „Wir müssen als Team besser verteidigen“, fordert Weis, und schon klingt das wie ein Euphemismus für „Wir müssen überhaupt erst mal verteidigen“. Am Samstag in Mainz gegen den Tabellenvorletzten Schott steht nicht nur ein Dreipunkte-Spiel, sondern ein Stimmungsbild für den ganzen Klub an.

Die jüngeren Jahrgänge rudern im Windschatten der Profis ebenfalls gegen die Strömung. Die U 19 gewann spektakulär in München, kassierte dann gegen Waldorf eine 1:3-Packung und ein 2:2 gegen Freiberg – ein Muster aus Hoffnung und Rückschlag, das mittlerweile als Dauerkonzept durchscheint. „Es fehlt die Konstanz“, sagt Steiert. Klingt simpel, ist aber das Komplizierteste im Fußball.

Ginter & co. sind geschichte, der nachschub zittert

Ginter & co. sind geschichte, der nachschub zittert

Die Erfolgsstorys der vergangenen Jahre – Ginter, Günter, Atubolu – wirken wie aus einer anderen Epoche. Sie schafften den Sprung, weil sie in einer Umgebung reiften, in der Ergebnisdruck ebenso gehörte wie die richtige Portion Freiraum. Heute steht die U 23 auf Platz 14, und selbst ein theoretischer Klassenerhalt kann scheitern, wenn Ulm oder Saarbrücken als Absteiger in die Staffel rutschen. Dann würde Rang 14 zur Todeszone.

Bruno Ogbus zeigt, dass der Weg nach oben noch existiert – der 20-Jährige nutzte die Verletzmisere, um sich in der Bundesliga zu etablieren. Doch er ist eher das Zucken eines Einzelschicksals denn Beweis für ein funktionierendes System. Die Pipeline ist nicht trocken, aber verstopft.

Die regionalliga bleibt die einzige rettungsinsel

Die regionalliga bleibt die einzige rettungsinsel

Diskussionen über eine flächendeckende U-21-Liga? Für Weis Nebengeräusche. „Die Regionalliga Südwest ist für unsere U 23 gerade genau richtig“, betont er. Richtig, weil sie Spielzeit garantiert. Richtig, weil sie jungen Profis den Schleusenweg zwischen Junioren-Ball und Männer-Alltag ebnet. Falsch nur, wenn man darin versinkt.

Die Lösung kann nicht lauten, einfach weiterzumachen. Die Lösung heißt: Mainz gewinnen, dann Hoffenheim schlagen, dann die Abstiegszone verlassen – und endlich wieder den Blick nach vorne richten. Denn wenn der SC Freiburg eines bewiesen hat, dann dies: Talente werden nicht nur geboren, sie werden auch erzogen. Doch Erziehung braucht Erfolg, sonst wird aus dem Nachwuchs nur noch Frust.