Kimi antonelli kriegt den führerschein – und fliegt gleich in der f1 davon

200 Tage nach der Prüfung in San Marino steht Andrea Kimi Antonelli auf dem Podium von Shanghai. Die Ingenieurin, die ihn damals durch die Retroparkübung lotsete, hält heute seinen Sieger-Trophy in der Hand – und lacht über vergessene Blinker.

Die prüferin packt aus

Sara Giusti erinnert sich jedes Detail. 28. Januar 2025, 8 °C, Nebel über Monte Cerreto. Der 18-Jährige tritt an, ohne je eine Schaltung auf öffentlicher Straße bedient zu haben. „Er trat aus dem VW-Golf wie aus einem Simulator aus“, sagt Giusti. „Gas weg, Kupplung rein, Motor absterben. Dreimal.“ Der Examinatorin wird klar: Sie hat einen Formel-3-Champion im Nacken, aber keinen Straßenfahrer. Also macht sie einen Deal: Antonelli muss exakt 5,3 km fehlerfrei fahren – die Länge des Melbourne-GP-Kurses. Ihr Tipp: „Stell dir vor, du lieferst dir ein Rennen mit dir selbst. Nur ohne DRS und mit Blinker.“

Die ersten 500 Meter verlaufen holprig. Antonelli schaltet zu früh, lässt den Drehzahlbegrenzer knirschen. „Ich habe gedacht: Gut, dass er nicht mein Auto kaufen will“, scherzt Giusti. Doch nach der ersten Steigung wechselt etwas. Die Finger liegen locker am Schalthebel, der Blick rast nicht mehr zwischen Tacho und Windschutzscheibe. „Plötzlich fuhr er wie ein alter San-Marino-Taxi-Held. Nur schneller.“

Ein geschenk kommt zurück

Ein geschenk kommt zurück

Als Giusti ihm die rosa Rosa-Pass-Mappe überreicht, flüstert Antonelli: „Grazie, das war mein erster Boxenstopp.“ Dann verschwindet er. Später klopft er wieder an der Tür – mit einem gerahmten Foto-Collage: Golf, Führerschein, Silberpfeil. Darunter die Widmung: „Per Sara e l’ufficio, senza di voi sarei ancora in 6. Gang.“ Seitdem hängt das Bild neben dem Zigarettenautomaten im Flur der Motorizzazione. „Jeder, der seinen Führerschein abholt, bekommt die Story erzählt“, sagt Giusti. „Die Jungs wollen alle wie Kimi fahren – aber mit Blinker, versteht sich.“

Mittlerweile hat Antonelli fünf Podeste, einen Sieg, 78 WM-Punkte. Und Sara Giusti? Sie hat ihr nächstes Projekt: „Ich lasse mir ein Ticket für Monza geben. Wenn er dort gewinnt, bringe ich den Rahmen mit und hoffe, dass er endlich mal die Hupe benutzt.“