Kiel steht im 116. nordderby mit dem rücken zur wand
80 Kilometer trennen die Städte, zwei Punkte trennen die Welten. Am Samstag um 20 Uhr erzittert die Wunderino-Arena. THW Kiel gegen SG Flensburg-Handewitt – kein normales Spiel, sondern ein K.o.-Schlagerspiel im März.
Viktor Szilagyi kennt die Druckwelle. „Für mich ist es das größte Spiel, das es im Handball gibt“, sagt der 47-jährige Geschäftsführer des THW. Die Rechnung ist gnadenlos: Verliert Kiel, liegt es sieben Punkte hinter Flensburg – und die Champions-League-Tür schlägt zu.
Ellefsen á skipagotu plant sein comeback
Die Geheimwaffe könnte Elias Ellefsen á Skipagotu heißen. Der 23-jährige Linkshänder fehlte Wochen mit Schulterproblemen, doch am Freitag nahm er wieder voll am Training teil. Sein Einsatz im Derby ist offen, das Signal ist klar: Der THW wirft alle Kräften in die Schützengräben.
Die Europa-League-Revanche vom Dienstag (36:29) war nur ein Appetizer. „Das war ein Warm-up für Samstag. Dann kochen die Emotionen auf 200 Grad“, sagt Trainer Filip Jícha. Kapitän Domagoj Duvnjak warnt: „Es wird ein ganz anderes Spiel – mit anderer Intensität und anderem Saisonfahrplan.“
Die Statistik? Makulatur. 67 Siege sprechen für Kiel, doch die letzten fünf Liga-Derbys gingen an Flensburg. Die SG ist Verfolger von Tabellenführer Magdeburg und spielt mit dem Rückenwind der Favoritenrolle. „Wir haben noch mehr zu bieten“, sagt Johannes Golla, 28, SG-Kapitän und brandgefährlicher Rückraumsschütze.

10.285 Fans und ein land im ausnahmezustand
Die Arena ist seit Tagen ausverkauft, unter den Zuschauern sitzt selbst Ministerpräsident Daniel Günther. Die weiße Wand wird brüllen, die Zeit läuft für den Rekordmeister. „Mit einer Niederlage sehe ich es als unrealistisch an“, sagt Mykola Bilyk. Die Worte des 29-jährigen Kreisläufers klingen wie ein Kampfschrei – und wie eine Drohung an die eigene Mannschaft.
Um 22 Uhr wissen wir, ob Kiel noch auf Kurs Europapokal bleibt. Dann ist March Madness in Schleswig-Holstein vorbei – oder eben erst beginnt.
